Pressespiegel 2003
Die Themen:
Schüler von Rätseln der Technik fasziniert
2500 junge Leute strengten sich ihr Köpfchen anIndustriemuseum will in die 1. Liga
Seit der Eröffnung im April bereits 65.000 Besucher - Gute Noten bei Umfrage - Finanzrahmen aber immer engerDer Wurm muss dem Fisch schmecken ...
Sonderschau "WunderbareWerbeWelten" im Industriemuseum Chemnitz stellt Macher, Marken und Mechanismen vorVolles Programm im Herbst
Industriemuseum lockt mit neuen Sonderausstellungen und AktionenLebendiges Museum eröffnet
> Chemnitzer Seiten - Das moderne Journal (7/2003)Initiative Südwestsachsen verlieh Ehrenpreise
Industriemuseum Chemnitz erhält Ehrenpreis33.000 strömten zu Munch und Dampfmaschine
4. Nachtschicht in den Chemnitzer MuseenEin Blick zurück nach vorn
Das neue Sächsische Industriemuseum in Chemnitz20.000 Besucher am Wochenende
Zur Eröffnung des Sächsischen Industriemuseums besuchen Gießerei-Mitarbeiter ihren alten ArbeitsplatzHartmann-Lok ist nun im Anrollen
Hier zieht gerade ’ne Dampflok umEin Schwergewicht lockt die Besucher an
Hausaufgaben für Chemnitzer Museen: Mehr Besucher, mehr Einnahmen - Spannende Angebote - Eintritt für Erwachsene soll um 50 Cent steigenSchüler von Rätseln der Technik fasziniert
2500 junge Leute strengten sich ihr Köpfchen an
Freie Presse vom 24.11.2003:
Jana Voigt von der Technischen Universität, Professur Erwachsenenbildung und betriebliche Weiterbildung, ist glücklich: "Heurekia, das erste Forum für Kreativität und Technik, hat eine riesengroße Resonanz gefunden." 2500 junge und junggebliebene Besucher kamen zu den Projekten und Veranstaltungen, die die Universität gemeinsam mit dem Industriemuseum an der Zwickauer Straße gut 14 Tage präsentierte. Ziel des Heurekia-Projektes war es, so Jana Voigt, mal Technik und Naturwissenschaften ganz anders in Verknüpfung von Information, Lernen, Begegnung und Kultur, zu zeigen. Beispielsweise hatten die Besucher die Möglichkeit, im Heurekia-Forum eine Büroklammer zum Schwingen zu bringen oder mit dem Hör-Memory Klänge zu erkennen, zu vergleichen und wiederzufinden. Dass das gut ankam, zeigte sich nicht zuletzt, so die Fachfrau, dass sich "junge Leute oft förmlich in die Aufgabe festgebissen hatten. Viele bestätigten uns, dass sie sich das Ganze gaar nicht so spannend vorstellten."
Im übrigen: Das Heurekia-Projekt wird im Januar im Sächsischen Landtag in Dresden zu sehen sein, dananch noch einmal zu einer Präsentation der IHK in Chemnitz. Allerdings, dass das beliebte Wissens-Forum dauerhaft in Chemnitz in einer Art Kreativitätszentrum etabliert wird, sei noch nicht abzusehen. Das künftige Tietz z. B. sei der ideale Ort. Man werde nochmals Kontakt mit den Betreibern aufnehmen. ...
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Schüler von Rätseln der Technik fasziniert
Erster Schritt auf dem Weg zum Kreativitätszentrum
Freie Presse vom 01./02.11.2003:
Im Chemnitzer Industriemuseum findet vom 8. bis zum 22. November zum ersten Mal das "Heurekia! Forum für Kreativität und Technik" statt. Dieses richtet sich vor allem an Jugendliche, die durch eigenes Erleben und Entdecken zum interaktiven Lernen angeregt werden sollen. Langfristig ist angestrebt, ein Kreativitätszentrum in der Region zu verankern.
"Wer immer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt selbst keine Spuren", erläutert Roland Schöne das Motto dieser zweiwöchigen Veranstaltung. Er ist Professor für Erwachsenenbildung und betriebliche Weiterbildung der TU Chemnitz und Initiator des Kreativ-Forums. Ziel sei, sich den Naturwissenschaften, der Technik und der Wirtschaft über Experimente, Tests und Simulationen kreativ anzunähern.
Konkret können die Besucher mit einer Taststrecke und einem Duftschrank ihre Wahrnehmung schulen, geheime Botschaften entschlüsseln und mit einem Paukenschlag eine Kerze auspusten. Darüber hinaus zeigen Chemnitzer Firmen ihre innovativen Entwicklungen - etwa eine holografisch-optische Projektionswand der Firma sax3d.com GmbH.
Im Erfinderkabinett ist dann Geist und logisches Denken gefragt, wenn Lastarme aus Stecknadeln und Trinkhalmen konstruiert und rohe Eier von gekochten unterschieden werden müssen. Abgerundet wird das Heurekia-Forum duch Diskussionsrunden, Kreativ- und Technik-Workshops, Fachtagungen, Podiumsdiskussionen und Weiterbildungen. Den Rahmen für das Kreativitätsforum bilden künstlerische und kreative Angebote - eine Ausstellung, Live-Konzerte, Filmabende, Lesungen und eine Tanzperformance-Show.
Das Heurekia-Forum für Kreativität und Technik ist Bestandteil der Initiative "InnoRegio" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, welches sich der gezielten Erweiterung, Bündelung und Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung in der Region widmet.
Das Heurekia-Forum ritchtet sich auch an Eltern, Pädagogen und Unternehmer und findet vom 8. bis zum 22. November von 9 bis ca. 22 Uhr im "Cafe Y", Zwickauer Straße 119, statt. ...
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Schüler von Rätseln der Technik fasziniert
"Heurekia"-Schau im Industriemuseum soll Grundstein für Kreativzentrum legen
Freie Presse - Flöhaer Zeitung vom 14.11.2003:
...Krampfhaft versucht Felix Korzin auf einem Bein zu stehen. Vergeblich suchen seine Augen einen die Balance rettenden Fixpunkt. Die große Tafel mit vertikalen Schwarzweiß-Linien pendelt vor ihm hin und her. Immer wieder kippt der 15-Jährige zur Seite. "Hätte nie gedacht, dass es so schwer ist", sagt der Junge aus der Klasse 9b der Valentin-Tereschkowa-Mittelschule beim Besuch der Ausstellung "Heurekia Forum für Kreativität und Technik" im Industriemuseum.
Während Felix balanciert, stapfen die Klassenkameraden mit verbundenen Augen auf Socken durch eine Reihe flacher Holzkisten, alle mit unterschiedlichen Materialien gefüllt: Kies, Korken, Herbstlaub, Eicheln. Am Gefühl sollen sie erraten, worauf sie laufen. "Am stärksten fand ich die Brücke, die ganz ohne Verbindungsstücke hält, wenn man drauf steht", sagt Jacqueline Pape (125). Mit hölzernen Klötzen können Besucher einen Brückenbogen bauen, der, wenn der Kopfstein in der Mitte sitzt, problemlos einen Menschen trägt.
Knobelspiele, Erfinderkabinett, Kaleidoskop ... Eindeutiges Urteil der Schüler: "Cool, hier kann man alles selbst ausprobieren!" Und nicht nur sie haben Spaß an den 35 originellen Exponaten aus dem technischen und physikalischen Bereich. "Neben Schulklassen kommen auch Eltern mit ganz kleinen Kindern, der Wahrnehmungsbereich macht denen Spaß", weiß Tina Marusch, eine von zwölf Studentinnen, die Besucher durch die Schau führen. Sie erinnert sich an ein Geschwisterpaar, dessen zunächst enttäuschtes Urteil über den Ausflug: "Och, Museum!" sich ins Gegenteil wandelte.
Faszination liegt im Selbermachen
Auch Helga Korb, Sportlehrerin der Tereschkowaschule ist begeistert. "Toll mit welcher Ausdauer die Schüler alles ausprobieren, sonst verlieren sie oft schnell die Geduld. Die Faszination liegt eben im Selbermachen", sagt die Lehrerin, die bei einigen Exponaten selbst ins Staunen kam. Etwa angesichts der Reihe Dominosteine in ansteigender Größe. Stößt man den kleinsten (etwa 3 Zentimeter) um, kippt die ganze Reihe, bis zum Schluss der wuchtige 60-Zentimeter-Klotz auf die Tischplatte kracht.
Fünf Schulklassen zählt Jana Voigt, Mitorganisatorin der Schau und Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Erwachsenenbildung der TU, täglich. "Heurekia", deren Exponate man aus Experimentalausstellungen wie "Spektrum" (Berlin), "Imaginata" (Jena) und "Phänomenta" (Flensburg) zusammentrug, sieht sie als ersten Schritt zu einem Kreativzentrum in Chemnitz.
Im Rahmen des Innoregio-Projekts "Nachwuchsentwicklung Technik" schwebt ihr eine dauerhafte Einrichtung vor, die mit bundesweiten Institutionen wie "Jugend forscht" kooperieren könnte.
Doch ist ein solches, auf rund 40 Millionen Euro geschätztes Projekt derzeit Zukunftsmusik. Dass die Schau statt "Heureka", wie Archimedes ausrief, "Heurekia" heißt, hat übrigens einen ganz banalen Grund: "Wir waren uns nicht sicher, ob Heureka als Begriff nicht längst von irgendwem geschützt ist", sagt Jana Voigt. ...
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Industriemuseum will in die 1. Liga
Seit der Eröffnung im April bereits 65.000 Besucher - Gute Noten bei Umfrage - Finanzrahmen aber immer enger
Freie Presse vom 04.11.2003
Es geschah 1884: Der 1,66 Meter kleine Mann rutschte in die Teergrube des Chemnitzer Gaswerkes. Sie wurde sein Grab. Doch nicht für immer: Körper und Arbeitskleidung, getränkt in Teerderivaten, überdauerten die Jahrzehnte unbeschadet - 1907 wurde der Leichnam vom Gerichtsmedizinischen Institut Leipzig exhumiert. Doch die Todesursache konnte nie ermittelt werden. Dafür ist die Mumie vom Gaswerk über einen anderen Zweifel seit Monaten erhaben: Bei den jugendlichen Besuchern des Industriemuseums avancierte der ehemalige Gaswerker aus dem vorvorherigen Jahrhundert mit Abstand zum beliebtesten Ausstellungsexponat der Schau an der Kappler Drehe.
Dies ist ein Ergebnis einer Umfrage der Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der TU Chemitz. Studenten hatten genau 247 Besucher des Industriemuseums befragt - durchaus repräsentativ, sagen die Macher. Ergebnisse: Immerhin ein Drittel aller Gäste (gestriger Stand) sind Frauen, ebenso ein Drittel ist unter zwanzig Jahre. Und: Es ist das "Museum des kleinen Mannes", so die TU-Experten: Über 60 Prozent gehören nicht zum Kreis von Akademikern oder Studenten. Bei der Beurteilung des Museums finden vier von fünf Besuchern die Einrichtung gut oder sehr gut. Allerdings sind 20 Prozent mit der Gliederung des Museums nicht einverstanden.
Jörg Feldkamp, der Chef des Industriemuseums, ist mit der Umfrage zufrieden. Richtig froh ist er aber über die Besucherzahlen an sich. Mit gestrigem Stand sind es exakt 65.012. "Ich habe zur Eröffnung insgeheim mit etwa 35.000 Besuchern bis Jahresende gerechnet. Jetzt sind es schon fast doppelt so viele." Und: Die Zahl der "Wiederholungstäter", sprich: Zweit- oder Drittbesucher, liege bei etwa 15 Prozent. Ebenso hoch ist die Zahl derer, die nicht aus Sachsen kommen. Aus dem Ausland haben bereits fast ein Prozent der Besucher das Industriemuseum in Chemnitz als Ziel gewählt.
Deshalb träumt Feldkamp schon von einem langen Spiel in der 1. Liga der führenden Technikmuseen im Lande: Vom Deutschen Museum in München bis hin zum Zeppelin-Museum in Friedrichshafen. "Uns als Industriemuseum hat man bereits akzeptiert und in der Fachszene aufgenommen", so Feldkamp. Und die nötigen 100.000 Besucher im Jahr als weiteres Argument hierfür sei das Ziel, das durchaus zu schaffen wäre, wenn man die Zahlen der ersten neun Monate seit Eröffnung betrachte.
Im eigenen Lande aber, sprich in Sachsen, sei die Akzeptanz noch nicht so weit, klagt der Museumschef. "Wir warten händeringend auf die Stellungnahme der Landesregierung, in welcher Form der Freistaat nach 2004 das Sächsische Industriemuseum noch unterstützt." Sicher sei nur, dass das Land ab 2005 als Mitglied aussteigt, was aber im Vorfeld in der Satzung des Zweckverbandes festgelegt wurde. Sicher ist auch: 2004 wird das Industriemuseum mit weniger Geld leben müssen. 2003 waren es noch 1,3 Millionen Euro - je die Hälfte von Stadt und Land als Zuschuss - 2004 sind es 100.000 Euro weniger. ...
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Der Wurm muss dem Fisch schmecken ...
Sonderschau "WunderbareWerbeWelten" im Industriemuseum Chemnitz stellt Macher, Marken und Mechanismen vor
Freie Presse vom 21.10.2003
Schon auf dem Weg durch die Hallen des Chemnitzer Industriemuseums macht die Sonderschau "WunderbareWerbeWelten" auf sich aufmerksam. Aussprüche über die Kunst der Werbung sind da zu lesen. Selbst der mit diesem Metier nicht unmittelbar befasste Marcel Reich-Ranicki hat sich dazu geäußert und meint: Werbung ist die Kunst der Wiederholung. Wobei die Kunst wohl vor allem darin besteht, den Konsumenten Spots vorzusetzen, die ihn bei der Stange halten und, das Fernsehen betreffend, nicht um- oder abschalten lassen.
Die Sonderschau des Museums für Kommunikation Berlin kam nach ihrer Eröffnung im März 2001 in der Hauptstadt über Hamburg, Frankfurt/Main und Nürnberg nach Chemnitz. Sie stellt nicht nur Marken und Personen oder Kunstfiguren vor, die für ein Produkt werben, sondern leuchtet auch hinter die Kulissen, lässt Macher einer Berliner Agentur zu Wort kommen und erhellt Mechanismen.
Objekt der Begierde ist der Kunde, das unbekannte Wesen. Am liebsten wäre den Werbestrategen ein gläserner Mensch. Dessen Gewohnheiten und Vorlieben man kennt. Da wird in Umfragen ausgeforscht, was er am liebsten isst, was er trinkt, welche Zeitungen und Zeitschriften er liest, wie sein Freizeitverhalten ist ... Die kleine Stadt Haßloch (Rheinland-Pfalz) ist sozusagen nur von Versuchskaninchen bewohnt. Dort gibt es Dinge zu kaufen, die sonst nirgends in Deutschland angeboten werden, im Fernsehen läuft Reklame, die nur dort zu sehen ist. Daraus schließt die Gesellschaft für Konsumforschung dann, womit ganz Deutschland zukünftig zu beglücken ist. Ein schweres Brot also. Und um bei den Nahrungsmitteln zu bleiben. Allein im umkämpften Lebensmittelbereich können sich rund 80 Prozent der neuen Produkte bei ihrer Einführung nicht durchsetzen.
Deshalb bedient sich die Werbeindustrie, um neue Erzeugnisse schmackhaft zu machen, nicht nur markanter Slogans, sondern auch bekannter Persönlichkeiten, die bestimmte Produkte bewerben. Nicht ohne vorher zu erkunden, welchen Werbewert ein Prominenter hat, womit er am besten in Zusammenhang zu bringen ist. Wie die über 2000 Leinwandschönheiten, die seit 1927 auf die Seife Lux schwören. Darunter Winnie Markus, Geraldine Chaplin, Claudia Cardinale oder Romy Schneider. Oder der volkstümliche Anwalt "Liebling Kreuzberg" alias Manfred Krug, der dem deutschen Volke die T-Aktie aufschwätzte. Mit dem Namen des in die Schweiz ausgewanderten Michael Schumacher verbinden sich bereits über 1600 Produkte. Wer eins davon kauft, mehrt automatisch den Reichtum des Schnellfahrers. Als werbegestählter Konsument hat sich glücklicherweise so mancher seine eigene Meinung bewahrt, die sich nicht unbedingt mit der der Experten decken muss. So soll es Leute geben, die bei dem die Deutsche Bahn preisenden Harald Schmidt ins Grübeln kommen, wie oft der denn überhaupt selbst dieses so häufig unzuverlässige Schienengefährt benutzt.
Auch der Werbung in der DDR widmet sich die Ausstellung. An die Tausend Tele Tipps im Fernsehen wird sich mancher noch erinnern, an den stets dienstbereiten Minol-Pirol, das Messemännchen oder die für Chemnitz stehende Fewa-Johanna. Doch schon 1975 war Schluss mit der Werbung, gab es ein Verbot. Wenn man sie in Ost und West miteinander vergleicht, fällt auf, dass in der DDR vor allem angepriesen wurde, was es gerade reichlich gab. Das war dann auch besonders gesund. Und wenn es nur Sauerkraut war. Während es im Westen darum ging, den Überfluss an den Konsumenten zu bringen.
Deshalb piepsen einen im Supermarkt die Einkaufswagen an und preisen angebliche Schnäppchen, strahlen Deuschlands TV-Sender rund 5000 Mal täglich Werbespots aus. Die Zahl der Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften geht in die Zehntausende. Seit 1994 hat die Werbung auch das Internet erobert und müllen mittlerweile die Computer zu. Kein Wunder, dass alles immer noch peppiger, schriller, schneller sein muss. Vor allem im Fernsehen. Auch in der Ausstellung sind Bildschirme aufgebaut, kann der Besucher selber sehen, hören und testen - in aller Ruhe. Dann begreift er seine Stellung in der schönen bunten Werbewelt gleich viel besser. Auch den Satz: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. ...
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Volles Programm im Herbst
Industriemuseum lockt mit neuen Sonderausstellungen und Aktionen
Blitzpunkt vom 04.10.2003
"Der Besucherstrom hält an", freut sich Claudia Wasner vom Industriemuseum Chemnitz. Die im Apruil eröffnete Einrichtung auf dem ehemaligen Gießereigelände an der Kappler Drehe konnte schon im August die 50.000-er Grenze überschreiten, früher als erwartet und mit der Hoffnung auf weitere "runde Jubiläen" in diesem Jahr. Für anhaltendes Interesse dürften in den nächsten Wochen neue Sondervorhaben sorgen. Das beginnt an diesem Wochenende mit der bis Sonntag zu sehenden Briefmarkenausstellung "Chemnitz 03", die in Zusammmenarbeit mit dem Briefmarkensammelverein Wittgensdorf entstand. Neben Infos über die kleinen Vierecke vermitteln die Philatelisten gleichzeitig Wissenswertes über sächsische Post- und Industriegeschichte. Gestern hatte übrigens inmitten dieser Umgebung eine neue Markenserie der "grünen Post" ihre Premiere. Der bekannte Grafiker Manfred Gottschall hat für die WVD Postservice-Partner Chemnitz GmbH Motive aus der Region Südwestsachsen zu Papier gebracht - damit dokumentierend, daß die kostengünstigere WVD-Zustellung jetzt jedermann in den Postleitzahlbereichen 08 und 09 in Anspruch nehmen kann.
Doch zurück zum Museum. Hier erwartet die Besucher schon ab 13. Oktober die nächste Sonderausstellung zum Thema "100 Jahre Daktyloskopie in Sachsen" von Landeskriminalamt und Polizeipräsidium Chemnitz. Das Königreich war in Deutschland ziemlich führend bei der Einführung neuer kriminalistischer Techniken. In der Ausstellung zeigen 48 Tafeln und etwa 50 Exponate anschaulich die Entstehung und Entwicklung der wissenschaftlichen "Fingerschau". Während der auch über die Herbstferien bis 29. Oktober zu sehenden Schau können Kinder ihre Fingerabdrücke abnehmen lassen und bei der Auswertung auf den Spuren von Sherlock Holmes wandeln.
Das größte Vorhaben für den Rest des Jahres ist die Ausstellung des Museums für Kommunikation Berlin "WunderbareWerbeWelten". Da gibt es ein Wiedersehen mit den in Chemnitz beheimateten Fewa-Johanna und Fit-Tröpfchen, aber auch den allseits bekannten internationalen Marken, die uns täglich beim Einkauf, auf der Mattscheibe und beim Zeitunglesen begegnen. Mehr noch, werden in der Austellung die Geschichte, Hintergründe und Wirkung beleuchtet und die Methoden, wie man Produkte am besten an den Mann bringt. Auch hier dürfen Ferienkinder "mitspielen". Am 21. und 23. Oktober startet die Aktion "Sei der Star deiner eigenen Werbewelt" - dabei können Logo und Schriftzüge für Schule, Verein oder das eigene Tagebuch entworfen werden. Außerdem steht historische und moderne Technik des Industriemuseums für die Herstellung von Grußkarten, Kalendern oder das Bedrucken von Beuteln und T-Shirts zur Verfügung.
Auch für die "blitzpunkt"-Aktion "Kunst und Müll" konnte das Museum als Partner gewonnen werden. Direktor Jörg Feldkamp ist gespannt, was da an Arbeiten eingereicht wird. Er steht dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber, sofern ein kreativer Umgang mit scheinbar als Müll deklarierten Stoffen zu spüren ist und etwas nicht einfach bloß vorm Wegwerfen bewahrt werden soll. ...
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Lebendiges Museum eröffnet
Chemnitzer Seiten - Das moderne Journal 7/2003
In den denkmalgeschützten ehemaligen Gießerei-Hallen an der Zwickauer Straße 119 eröffnete Mitte April das neue Chemnitzer Industriemuseum. Auf einer ca. 4.000 qm großen Ausstellungsfläche bietet sich dem Besucher eine Vielzahl großer Exponate.
Aber auch kleine Details des Alltags, wie Spitzenhandschuhe aus Limbach, eine Handtasche aus dem Erzgebirge, die Schreibmaschine "Continental" von Wanderer aus Schönau, oder das legendäre RFT-Spulentonbandgerät "Smaragd", werden in den zahlreichen Vitrinen ins rechte Licht gerückt.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen nicht nur die technischen Repräsentanten der industriellen Entwicklung. Der Fokus der Ausstellung richtet sich auch auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der industriellen Zeit. Es sind die Menschen: die Sachsen, die Unternehmer, die Familie, die Arbeiter, die Karl-Marx-Städter, die Kreativen, die Konsumenten und die Europäer, die als Unterthemen die Ausstellung gliedern. Die Ausstellung selbst hat zwei Ebenen. Zum einen die Originale aus der Sammlung des Hauses, die, soweit es sich um technische Exponate handelt, in Funktion vorgeführt werden. Zum anderen die multimediale Informationsebene mit einem vielfältigen Informations- und Unterhaltungsangebot aus Texten, Bildern, ton- und filmartigen Darstellungen in digitaler Form.
Ein Highlight des Museumskomplexes ist der historische Maschinensaal, welcher seit der Restaurierung in seinem früheren Glanz erstrahlt: Terrazzoboden, Holzdecke, zwei Wandgemälde und teilgeflieste Wände mit Schmuckfriesen und -säulen. In der Mitte des Raumes wurde die Dampfmaschine von 1896 montiert. ...
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Initiative Südwestsachsen verlieh Ehrenpreise
Industriemuseum Chemnitz erhält Ehrenpreis in der Kategorie Kunst & Kultur
Freie Presse vom 29.06.2003:
Zum vierten Mal sind Personen, Institutionen und Unternehmen aus dem Regierungsbezirk Chemnitz für ihre Verdienste um die Region ausgezeichnet worden. Die Ehrenpreise in vier Kategorien wurden am Sonntag in der Stadtgalerie Plauen verliehen, wie die Initiative Südwestsachsen mitteilte. Der Preis für Wirtschaft und Wissenschaft ging an die MPT Präzisionsteile GmbH Mittweida, einen weltweiten Lieferanten für Wälzlagerkäfige, Kugelhalter sowie Stanz- und Drehteile mit mehr als 100-jähriger Tradition. In der Kategorie Kunst und Kultur wurde das Industriemuseum Chemnitz geehrt, das seit April im neuen Haus sächsische Industriegeschichte auf moderne Art vermittelt. Als verdienstvoller Sportler wurde der olympische Silbermedaillengewinner und Vizeweltmeister in der Nordischen Kombination, Björn Kircheisen, ausgezeichnet.
Die Regionalinitiative sette sich auch für die Vertiefung der Zusammenarbeit mit Tschechien ein. Den Ehrenpreis 2003 dafür erhielt der Autor und Journalist Thorald Meisel.(www.suedwestsachsen.de)
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33.000 strömten zu Munch und Dampfmaschine
4. Nachtschicht in den Chemnitzer Museen
Chemitzer Morgenpost vom 19.05.2003:
Sieben Stunden Museumsabenteuer - für Kulturfans war es die Nacht der Nächte. Siebzehn Museen und 30 Ausstellungen hatten Sonnabendnacht ihre Schatzkammern geöffnet. Und fast 33.000 Neugierige drängten sich mit Kind und Kegel zwischen Munch-Gemälden und Dampfmaschinen. ...
Punkt 19 Uhr wurde die Museumsnacht mit japanischen Taiko-Wirbeln vorm Rathaus eingetrommelt. Minuten später hatte sich schon eine lange Schlange vorm Roten Turm gebildet. Auch für die Rathaus-Besichtigung - erstmals bei der Museumsnacht dabei - waren um 19.30 Uhr schon 500 Eintrittskarten weg. "Bis zwei Uhr morgens haben wir 2.500 Besucher gezählt. Wahnsinn!", sagt Katrin Voigt vom Kulturamt.
Lange Schlangen auch am Industriemuseum. Kein Wunder: Das im April eröffnete Haus stand richtig "unter Dampf". Mehr als 5.000 Besucher swingten zwischen schnaufenden Dampfmaschinen und dampfendem Kesselgulasch zu heißen Dixie-Rhythmen von "Brass Up". ...
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Ein Blick zurück nach vorn
Das neue Sächsische Industriemuseum in Chemnitz
VDI-Nachrichten vom 16.05.2003:
...Das im April eröffnete Chemnitzer Industriemueum zeigt Menschen als Initiatoren, Akteure wie auch als Opfer der Industrialisierung und dokumentiert den Aufstieg Sachsens zu einem der großen Industriestandorte in Europa.
Richard Hartmann war 29, als er sich selbstständig machte und heiratete. Zwei gute Entscheidungen auf einen Schlag. Zuvor hatte er in einer Chemnitzer Maschinenfabrik als Schmied gearbeitet. Es war das Jahr 1837, in der südsächsischen Stadt wuchsen überall neue Fabriken aus dem Boden, in denen vor allem Textilien hergestellt wurden.
Hier witterte Hartmann seine Chancen. Zusammen mit seinem Kompagnon, einem Schlosser, reparierte er zunächst Spinnmaschinen. Durch die Hochzeit mit einer Wirtstochter kam er zu Geld und hatte fortan den Rücken frei. Bald begann Hartmann, eigene, verbesserte Maschinen zu konstruieren. Dann wechselte er seinen Partner, der neue war Kaufmann und begütert.
Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Bald wurde aus der kleinen Werkstatt eine Fabrik, in der Hartmann Dampfmaschinen produzierte. Und als Sachsen in den vierziger Jahren ans Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, traf Hartmann seine folgenreichste Entscheidung: Er begann in großem Maßstab mit dem Bau von Lokomotiven. Als Hartmann 1870 sein Unternehmen in die Sächsische Maschinenfabrik AG umwandelte, war es die größte Aktiengesellschaft weit und breit.
Die Industrie mit ihren Geschichten von Aufstieg und Niedergang ist ein Fall fürs Museum geworden. In vielen ehemaligen Hochburgen der Industrialisierung ist das nicht zu übersehen, etwa in Chemitz, jener Urzelle des Industrielands Sachsen. Die zahlreichen Textil- und Maschinenbaufabriken der Stadt mit ihren Backsteinhallen und verzierten Fassaden stehen zumeist leer, die Fenster sind zerschlagen oder verrammelt.
Aus dieser urbanen Ruinenlandschaft ragt die große Produktionshalle der ehemaligen Maschinenfabrik Escher, dem späteren VEB Gießerei "Rudolf Harlaß", heraus. Die backsteinrote Fassade mit vier großen Rundbögen aus dem Jahr 1907 ist aufgeputzt, neue Scheiben glänzen zwischen fragilen Fensterprofilen. Die einstmals größte Fabrikhalle der Stadt, in der noch bis 1982 gearbeitet wurde, beherbergt nun das Sächsische Industriemuseum.
Seit 1990 haben Chemnitzer Enthusiasten in einem Förderverein für das Museum gekämpft, Seite an Seite mit der Stadt. Seit 1998 gehört das Museum zum Zweckverband Sächsisches Industriemuseum, dem noch vier weitere Museen an originalen Standorten im Freistaat angehören. In vier Jahren wurde das Chemnitzer Museum für rund 20 Mio. € aus Landes- und Stadtmitteln errichtet.
Wer die luftige, taghelle Halle betritt, blickt zunächst nicht, wie vielleicht erwartet, auf Maschinen, Oldtimer oder Lokomotiven, sondern auf Gesichter. In etwa vier Metern Höhe führt ein Fries mit alten und neuen Porträtfotos einmal rund um die fast quadratische Halle, vom Unternehmer bis zur Arbeiterin. Die Installation verweist auf das Hauptthema der Chemnitzer Museumsgestaltung: Es geht um den Mensch als Initiator, Akteur und auch Opfer der Industrialisierung.
"Konsument", "Unternehmer", "Karl-Marx-Städter" heißen denn auch die Unterkapitel der Ausstellung. Die Halle ist in Kompartimente unterteilt, durch die eine zentrale Achse führt. Die erinnert an eine Einkaufsstraße - in den Schaufenstern präsentiert Sachsens Industrie ihre Produkte: das Waschmittel Fewa, das 1932 als erstes vollsynthetisches der Welt in Chemnitz entwickelt wurde, Schreibmaschinen mit Blindenschrift oder hebräischer Tastatur oder Zündhölzer aus Riesa.
Natürlich kommt auch auf seine Kosten, wer sich vor allem für die Technik interessiert. Das Museum hat zahlreiche Maschinen vor der Verschrottung gerettet und so instand gesetzt, dass sie dem Besucher vorgeführt werden können. Etwa eine Handstickmaschine aus dem Vogtland (1909), die bis in die fünfziger Jahre in einem Familienhaushalt in Betrieb war. In Heimarbeit wurden damit Stickmotive auf Dosen, Taschen oder Kissen übertragen. Details zu jedem Exponat kann der Besucher an den hervorragend gestalteten Multimedia-Terminals abrufen, die überall in der Halle zu finden sind.
Die Ausstellung verharrt aber nicht nur im Vergangenen. Hinweise auf die neuen Investoren fehlen nicht, auf Volkswagen in Sachsen oder die Dresdner Chipprodukton, auch wenn diese neuen Industrien den arbeitenden Menschen kaum noch brauchen. Nur sehr knapp fragt das Museum danach, wie die Arbeitswelt nach dem Industriezeitalter aussehen könnte. Die Tafel, auf der erläutert wird, wie der Unterwäschehersteller bruno banani seine Werbekampagnen entwirft, wirkt inmitten alter DKWs oder Dampfhammer ein wenig wie vom Himmel gefallen.
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20.000 Besucher am Wochenende
Zur Eröffnung des Sächsischen Industriemuseums besuchen Gießerei-Mitarbeiter ihren alten Arbeitsplatz
Freie Presse vom 14.04.2003:
Chemnitz. "Das gibt es doch gar nicht", staunte Thomas Neßmann Bauklötzer, als er die große
lichtdurchflutete Halle betrat. "Das man aus einer alten Hütte so einen Prunkbau machen kann!"
Thomas Neßmann war einer von den 10.000 Chemnitzern, die sich am Wochenende meist ganz in Familie
auf den Weg machten und nur ein Ziel hatten: sich das neue Sächsische Industriemuseum, das nach
vierjähriger Umbauzeit im historischen Fabrikgebäude an der Kappler Drehe mit einem Mega-Programm
eröffnet wurde, anzusehen.
Nur: Thomas Neßmann, der heute als Vorarbeiter bei Flender Guss in Wittgensdorf
arbeitet, trieb mehr als die pure Neugier in die Zwickauer Straße 119. Für den Gießereiarbeiter
mit Leib und Seele war das eine Wiederbegegnung mit der Vergangenheit - "mit einem Teil meines
Lebens". Dort, wo heute die Ausstellungsstücke Industriegeschichte erzählen, "war ich Former in
der Harlass-Gießerei. Bin als Lehrling 1971 zu Harlass gekommen, bin nach der Armeezeit 1973
wieder zurückgekehrt und dann hier geblieben, bis wir 1981 in das neue Gebäude, auf die grüne
Wiese nach Wittgensdorf, gezogen sind", erzählt der sympathische Chemnitzer, ein "gebürtiger
Karl-Marx-Städter", wie er sagt. Und er kann sich noch bestens erinnern: "Dort, wo im Museum die
alte Laube aufgebaut ist, da stand mein Arbeitsplatz. An den hohen Fenstern befand sich die
Bankformerei. Die Fenster waren übrigens völlig verdreckt, da konnte man kaum durchblicken,
höchstens, es kamen gegenüber mal ein paar hübsche Mädchen vorbei", schmunzelt er. "Ein Stück
weiter, zum Eingang hin, da befand sich die Maschinenformerei, in der Mitte die Bodenformerei.
Und mitten durch die Halle gingen die Schienen, und dort standen die Kupolöfen", schildert er.
Und freut sich mit Blick nach oben: "Die Kranbahnen sind ja heute noch da". Ob er jemals daran
gedacht hat, dass seine alte Arbeitsstelle ein Museum für Industrie wird? "Niemals. Unvorstellbar.
Wir dachten eigentlich alle, dass das die alte Hütte irgendwann zusammenfällt oder abgerissen
wird." "Stimmt", bestätigt auch Hans-Michael Schramm, früher Sicherheitsbeauftragter bei Harlass,
heute Sicherheitsinspektor bei Flender Guss. "In einer Gießerei kann es nie ganz clean zugehen,
das ist auch heute nicht so. Aber zu DDR-Zeiten war das hier schon ganz schön happig ... Überall
Dreck, überall Staub. der Sand auf dem Fußboden schwarz. Die Arbeit absolute Knochenarbeit",
blickt er zurück.
Eine Erinnerung aus der Arbeitswelt von damals hat er höchstpersönlich als
Ausstellungsstück retten können: den "Schutzanzug" aus asbesthaltigem Baumwollstoffgewebe. "Den
zog man sich immer drüber, wenn man unmittelbar mit dem Eisen zu tun hatte. Der sollte bei
Funkenflug und großer Hitze schützen."
Im Industriemuseum ist der monströse Arbeitsanzug heute hinter nur hinter dickem
Glas zu sehen.
Doch beim Blick zurück sind sich beide auch einig: Trotz schwerster körperlicher
Arbeit, die heute bedeutend leichter ist, nicht alles war schlecht: Es gab gutes Geld, und es war
ein Zusammenhalt da. "Es arbeiteten bei Harlass oft ganze Familien, ja, ganze Generationen", so
Neßmann. Und es ging da auch schon mal zur Sache. Hart, aber herzlich. "Aber eigentlich, so
betonen beide: Die Zeit damals und die Zeit heute lässt sich nicht vergleichen ...
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Hartmann-Lok ist nun im Anrollen
Hier zieht gerade ’ne Dampflok um
Chemnitzer Morgenpost vom 04.02.2003:
5,20 Meter hoch, elf Meter lang und 58 Tonnen schwer - so stand die Dampflokomotive 98 001
sechs Jahre lang als Leihgabe des Verkehrsmuseums Dresden zwischen anderen Lokomotiven im
Sächsischen Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf. Gestern aber der große Tag: Umzug ins
Industriemuseum Chemnitz.
Gegen 14.30 Uhr inspizierte Wolfram Kluge vom Verkehrsmuseum Dresden die Lok und
stellte fest: "Sie ist in Bestzustand." Nun begann die Reise. Zunächst wurde das historische
Stahlross und die kleine Dampfspeicherlok an eine Werkslok gehängt und zur Verladestation geschoben,
dann mithilfe von zwei Kränen auf einen Schwerlasttransporter gehoben.
Ab 20 Uhr - der Hauptverkehr in der Chemnitzer Innenstadt hatte sich beruhigt -
rollte der Tieflader von der Frankenberger Straße über August-Bebel-Straße, Mühlenstraße,
Hartmannstraße bis zur Zwickauer Straße. Zwei Polizeiautos eskortierten den Konvoi. Um 21 Uhr
erreichte er sein Ziel. Die Lok ist ein Unikat: 1910 in der "Richard Hartmann" AG gebaut, galt sie
für die damalige Zeit als ökologisch sehr sparsam. Außerdem erlaubten es ihre schwenkbaren
Dampfzylinder, auch sehr enge Kurven zu fahren.
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Hartmann-Lok ist nun im Anrollen
Letzte Fahrt des Dampf-Rosses: 1910 in der Chemnitzer Hartmann-Fabrik gebaute Lok eine der Hauptattraktionen im Sächsischen Industriemuseum
Freie Presse vom 04.02.2003:
Rund eine Million Fahrkilometer hat die 1910 in der Chemnitzer Hartmann-Fabrik gebaute
Dampflokomotive 98001 zurückgelegt. Die wohl letzten Kilometer in seinem Lokleben absolvierte das
fast 100 Jahre alte Dampf-Ross in der Nacht zum Dienstag auf einem Tieflader vom Hilbersdorfer
Eisenbahnwerk zum neuen Sächsischen Industriemuseum an der Kappler Drehe. Hier soll die Lok eine
der Hauptattraktionen der künftigen Dauerausstellung werden, die am 12. April eröffnet wird. "Im
Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Sachsen und ihre industriellen Leistungen seit über 200
Jahren. Da darf einer nicht fehlen: Der Chemnitzer Lokomotiven-König Richard Hartmann", begründete
Museumsdirektor Jörg Feldkamp am Dienstag den Umzug der Dampflok von Hilbersdorf nach Kappel.
Nicht nur die vor 93 Jahren gebaute und 1979 im damaligen RAW aufgearbeitete
Dampflok war eine technische Meisterleistung, sondern auch der gestrige Umzug ins Industriemuseum.
Um die Lok an ihren künftigen Platz zu bugsieren, musste Luftkissen-Technik eingesetzt und
Millimeterarbeit geleistet werden. Die Monteure hatten nur wenige Zentimeter Spielraum, um den elf
Meter langen und rund 50 Tonnen schweren Koloss durch die Tore des Museums zu manövrieren. Nachdem
die wichtigsten technischen Anlagen in der rund 100 Jahre alten Gießereihalle an der Zwickauer
Straße montiert sind, sollen in den nächsten Wochen noch zahlreiche Ausstellungsgegenstände ihren
Platz finden, die das Leben der Arbeiter in den zurückliegenden 200 Jahren zeigen. "Wir zeigen
nicht nur die Technik, sondern auch die Menschen, die sie erfanden, gestalteten, kauften und
benutzten", so Feldkamp.
Ehrgeizig sind auch die Besucherzahlen, die das Museum mittelfristig anpeilt.
Rund 100.000 Besucher im.Jahr hat sich Feldkamp mit seiner Mannschaft vorgenommen. Schließlich
haben der Freistaat Sachsen und die Stadt 27 Millionen Euro investiert. Der Umbau der ehemaligen
Gießerei dauerte vier Jahre. Noch in diesem Jahr soll zudem mit dem Bau eines Werkstatt- und
Depotgebäudes begonnen werden.
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Hartmann-Lok ist nun im Anrollen
Sächsisches Industriemuseum in Chemnitz wird am 12./13. April eröffnet - Exponate werden flott gemacht
Freie Presse vom 22.01.2003:
... In gut zwei Monaten wird die Kulturlandschaft in Chemnitz einen weiteren Höhepunkt im noch
jungen Veranstaltungsjahr erleben. Das Sächsische Industriemuseum wird auf einer Ausstellungsfläche
von knapp 5000 Quadratmetern in dem denkmalgeschützten, 1898 geweihten Haus an der Zwickauer
Straße 119 hinter der imposanten gründerzeitlichen Rundbogenfassade eröffnet - mit einem Paket an
Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen. Direktor Jörg Feldkamp ist mit seiner kleinen
Mannschaft natürlich schon ganz heiß auf das Eröffnungswochenende am 12. und 13. April. "Ich denke",
so gibt er verschmitzt, aber bestimmt zu, "nach der großen Picasso-Ausstellung und Einweihung der
Chemnitz Arena sind wir nun am Zuge."
Doch bis die Chemnitzer dann in Augenschein nehmen können, was seit der Wende
alles zusammengetragen, gesammelt, bewahrt und geordnet wurde, müssen noch viele der imposanten
Exponate, die von der kleinen Nadel angefangen bis zu stählernen Kolossen reichen, wieder flott
gemacht werden. Denn eines, das verspricht der Direktor, werden wir nicht sein ... "ein toter
Maschinenfriedhof." Viele der Zeugnisse der 200 Jahre umfassenden sächsischen Industriegeschichte
sind voll funktionsfähig. Von der "Urmutter" des Ganzen, eine 1835 eingeweihte Spinnmaschine, die
es so ähnlich nur noch im Deutschen Museum Berlin gibt, über eine der Spitzenmaschinen der
Heckertwerke zu DDR-Zeiten bis zum schicken VW Phaeton, der als Exponat taufrisch mit ins neue
Museum kommt. Aber, darauf weist Feldkamp mit Nachdruck hin: "Maschinen sind nur ein Teil der
Ausstellung, wir wollen vor allem auch zeigen, wer die Maschinen bedient und welche Produkte auf
den Markt kommen." Dabei beschränke man sich nicht nur auf Chemnitz, sondern als Einrichtung unter
dem Dach des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum natürlich auf die gesamte Region. In
diesen Tagen macht noch ein besonders besonders gigantisches Schmuckstück den Ausstellungsaufbau,
der an allen Ecken und Enden zügig vorwärts geht, komplett:.eine Original-Hartmann-Lok. Die
Eintrittspreise für das künftige „lebendige Museum?“ Die sind nicht höher als in anderen
Einrichtungen, verspricht Feldkamp. Also im Schnitt 1,50 bis 3, 50 Euro. Kleiner Wermutstropfen:
Das neue Museum wird jeweils zur Hälfte von Stadt und Land finanziert. Bis 2004 jedenfalls. Wie es
dann weitergeht, ist heute noch unklar.
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Ein Schwergewicht lockt die Besucher an
Hausaufgaben für Chemnitzer Museen: Mehr Besucher, mehr Einnahmen - Spannende Angebote - Eintritt für Erwachsene soll um 50 Cent steigen
Freie Presse vom 07.01.2003:
Noch mehr Geld in die Kasse bringen und noch mehr Besucher in die Einrichtung locken - das hat
die Stadt Chemnitz ihren Museen für dieses Jahr ins "Hausaufgabenheft" geschrieben. Den
Jahreskulturbericht dazu bekamen die Kultur-Abgeordneten bereits auf ihren Tisch. Wie sehen die
Museen selbst ihre Lage? Auf welche Angebote können sich die Chemnitzer und ihre Gäste
im Jahr 2003 freuen?...
Im Industriemuseum an der Kappler Drehe hat man das Jahr 2003 mit besonderer
Spannung erwartet. Schließlich soll, so Pressesprecherin Claudia Wasner, mit dem 12./13.
April die Einrichtung in einer umfassend sanierten denkmalgeschützten Fabrik eröffnet
werden und in einer Dauerausstellung rund 200 Jahre spannende Industriegeschichte in Sachsen
widerspiegeln. Bereits jetzt sei das Interesse riesig, hätte man die imposante neue, alte
Einrichtung für viele hochkarätige Veranstaltungen, Vortragsabende und
Präsentationen gebucht. Natürlich hoffe man mit dem neuen Haus auf steigende Besucher
gegenüber den Zahlen von jährlich bis zu 15.000 Gästen, die man im alten
Industriemuseum an der Annaberger Straße begrüßen konnte. Großer
Herzdrücker aber trotz aller Vorfreude: Nach wie vor ist die Finanzierung dieses imposanten
Flaggschiffes im sächsischen Museumsverbund noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Eines
steht aber für alle Museen in Chemnitz fest: Am 17. Mai 2003 wird es wieder die beliebte
Museumsnacht geben.
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