Pressespiegel 2004
Die Themen:
Museumsdepot fertig
Neues Haus für alte BeständeClauss Dietel/Sachsen - Fahrzeugformen ab 1961
Kurven und KantenAlles, was sich bewegt, ist spannend
Neues Angebot. Kinder können im Chemnitzer Industriemuseum ihren Gebirtstag feiernDas schwingende Regal
Preise des 2. internationalen Marianne-Brandt-Wettbewerbs in Chemnitz verliehenLaichplätze in alten Fabrikhallen
Vorschläge für die Rettung von Ruinen - Ausstellung im Chemnitzer IndustriemuseumTick-Tack oder Taktik - das Phänomen Zeit
"Die IIII. Dimension" für alle Sinne: In einer Erlebnisausstellung im Industriemuseum Chemnitz kann man sie sehen, hören, fühlen und riechenBesucherrekord in der 5. Museumsnacht
9.000 Menschen trotz miesen Regenwetters unterwegs - Tietz erlebte ersten Ansturm - Liebevolle Vorbereitung an 29 StandortenViel los zur Museumsnacht - drohendes Finanzloch bei Industriemuseum
Wirbel hinter ZeitzeugenMetamorphosen & LichtGestalten
Dirk Hanus - Motivjäger mit SpürsinnDas Industriemuseum setzt nicht nur auf alte Schätze
Museum bietet nue Marketingplattform für die sächsische Industrie - Innovation im KontrastÜber 100.000 Gäste im ersten Jahr
I-Museum: Erfolgreiche Bilanz nach einem JahrVom geplagten bis zum geplatzten Planeten
Beispielgebende Initiative zum Thema: Umwelt, Hausmüll und Kunst - Fisch als Symbol für LebenMuseumsdepot fertig
Neues Haus für alte Bestände
Chemnitzer Blick vom 08.12.2004:
Reichlich 1.000 Exponate sind derzeit im Industriemuseum an der Kappler Drehe zu sehen. "Das sind gerade mal zehn Prozent des tatsächlichen Bestandes", verrät Achim Dresler, stellvertretender Museumschef. Die anderen rund 11.000 Stücke, von der Briefmarke bis zur Drehbank, lagern in drei angemieteten Depots in Chemnitz. Dresler: "Die Standorte verraten wir lieber nicht. Die sind ungesichert, und das lockt Diebe an." Das Problem ist ab Januar gelöst. Dann wird das neue Depot direkt neben dem Museum eingeräumt. "Wir wollen dann fast alle Exponate hier trocken und sicher unterbringen, werden aber erstmal noch eines der alten Lager behalten."
Am fast sechs Millionen Euro teuren Neubau wurden jetzt die Hochbauarbeiten abgeschlossen. Die Halle bietet neben dem Lager Platz für Werkstätten und einen Montagebereich. "Die Millionen sind nicht in den Sand gesetzt, wie es noch vor wenigen Monaten aussah. Uns wird es weiter geben", informierte gestern Museumsdirektor Jörg Feldkamp auf BLICK-Anfrage. "Wir müssen aber im neuen Jahr einen drastischen Sparkurs fahren, haben 100.000 Euro weniger als in diesem Jahr zur Verfügung.
Das heißt beispielsweise, es wird keine Dampflokfahrten und weniger Sonderausstellungen geben. Wenn das nicht reicht, geht es wohl auch an die Personalkosten. Von anfangs 25 Mitarbeitern sind mir schon jetzt nur noch 16 geblieben." Feldkamp malt den Teufelskreis an die Wand: Weniger Angebote, weniger Besucher, weniger Einnahmen ... Immerhin zählte das Museum in diesem Jahr bis Anfang Dezember fast 60.000 Besucher. Apropos Angebote: An den Adventssonntagen hat die Weihnachtswerkstatt im Museum von 13 bis 16 Uhr geöffnet, am Heiligabend von 10 bis 15 Uhr. ...
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Museumsdepot fertig
Industriemuseum Chemnitz Report (8)
Chemnitzer Amtsblatt vom 01.12.2004:
... An der Zwickauer Straße, direkt neben dem Gebäude des Sächsischen Industriemuseums in Chemnitz,
entstand in den letzten Monaten ein imposantes Bauwerk mit Metallfassade. Manch einer wird sich
gefragt haben, was sich wohl dahinter verbirgt.
Der Neubau beherbergt in Kürze Depot- und Werkstattbereiche des Industriemuseums,
die sich bisher in sehr schlechtem Zustand in verschiedenen Stadtteilen von Chemnitz befinden.
Endlich wird es möglich, dem größten Teil der über 12.000 Kulturgüter der
Sammlung die Pflege und Obhut angedeihen zu lassen, die sie erfordern. Dazu zählen seltene und
schwergewichtige Maschinen aus dem 19. Jahrhundert und den Anfängen der sächsischen Industrie.
Neben einer Metall- und Feinmechanikwerkstatt werden in den nächsten Wochen
eine Werkstatt Textiltechnik und die Museumstischlerei eingerichtet. Die vorhandene Ausrüstung
wird durch neue Maschinen, Werkzeuge und Regale ergänzt. Die Instandhaltungsmechaniker und
Restaurierungsmitarbeiter freuen sich über die modernen Arbeitsplätze, erinnern die derzeitigen
Bedingungen doch eher an die Arbeitswelt der 70er Jahre.
Dass im Industriemuseum überhaupt so viele Exponate restauriert werden können, ermöglicht die
Agentur für Arbeit Chemnitz, die seit vielen Jahren die Projektarbeit in diesem Bereich großzügig
unterstützt. Das Gros der Arbeitnehmer im handwerklichen Bereich wird in
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Strukturanpassungsmaßnahmen beschäftigt.
Bei einer Bruttogesamtfläche von ca. 4.300 m² verteilen sich Werkstätten
und Sozialbereich auf 500 m² und die Montagefläche mit Lkw-Zufahrt und Deckenkran beläuft
sich auf knapp 600 m². Für die Einlagerung von Exponaten sthen 3.100 m² zur Verfügung.
Einanziert wurde der 5,8 Mio. Euro teure Bau jeweils hälftig vom Freistaat
Sachsen und der Stadt Chemnitz.
Beim gesamten Bauvorhaben für das Museum selbst und das Depotgebäude wurde das
Sächsische Industriemuseum tatkräftig vom Hochbauamt der Stadt Chemnitz unterstützt, das im
Auftrag des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum die Baudurchführung übernahm und
überwiegend Firmen der Region tätig werden ließ.
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Clauss Dietel/Sachsen - Fahrzeugformen ab 1961
Kurven und Kanten
Fahrzeuggestaltung aus vier Jahrzehnten
Stadtstreicher vom Dezember 2004:
Mit Ausstellungen zur Gestaltung serieller Produkte wird man in Chemnitz nicht gerade verwöhnt. Nun wurden gleich zwei dicht hinterenander eröffnet. Die Darstellung des Schaffens von Gunther Schulz, anlässlich des 25jährigen Bestehens seiner Bürogründung in der Heitec-Akademie veranstaltet, fand wegen der kurzen Dauer und dem etwas abgelegenen Ort leider nicht allzu viel Aufmerksamkeit, obwohl eine ganze Reihe interessanter Objekte vom Flaschenöffner bis zur Fitness-Maschine zu sehen waren.
Mehr Medienresonanz erfährt die Ausstellung, die das Industriemuseum dem 70. Geburtstag Clauss Dietels widmet. Es ist keine Retrospektive seines Gesamtschaffens, die gab es vor zwei Jahren in Berlin. Für Chemnitz wurden im Jubiläumsjahr "100 Jahre Autobau in Westsachsen" die Arbeiten für die Mobilitätsbranche zusammengestellt.
Zur Betrachtung mancher Exponate müsste man sich nicht extra ins Museum begeben. Das Mokick S 50 fährt auch 15 Jahre nach Auslaufen der Produktion in Suhl immer noch zu Tausenden auf ostdeutschen Straßen herum, auch der Kleinroller KR 50 ist häufig im Praxiseinsatz zu sehen. Gerade beim Mokick bewährt sich, was Clauss Dietel als das Offene Prinzip bezeichnet. Alle Teile sind leicht austauschbar. Dass diese Wandelbarkeit nicht nur von findigen Bastlern zum Schrecken des TÜV genutzt wird, sondern auch im Werk die Grundlage für eine gestaffelte Produktpalette bildete, zeigt die kleine Zusammenstellung von Variationen im Industriemuseum.
Neben dem Wartburg 353 nehmen die vielen Versuche, dem Zwickauer Trabant eine zeitgemäße Form und Technik zu geben, breiten Raum in der Ausstellung ein. Das begann bereits Mitte der sechziger Jahre. Der P 603 hätte das erste Vollheck-Kompaktfahrzeug der Welt werden können, Jahre vor dem VW Golf. 1984 gab Dietel auf, als der VW-Motor in den nur notdürftig gelifteten Trabi eingebaut wurde. Besonders visionär wirkt eine 1971 entstandene Studie, die Konzepte heutiger Kleinwagen wie Renault Twingo oder Ford Ka vorwegnahm. Weniger medienwirksam, aber nicht weniger innovativ waren die zahlreichen Entwürfe für Nutzfahrzeuge, vor allem LKW und Busse. Auch davon wurde das wenigste in die Produktion überführt. Nicht nur die ewige Mangelwirtschaft, auch die Dummheit vieler Politbürokraten, allen voran Günter Mittag, sorgten für das immer weitere Zurückbleiben der DDR-Fahrzeugindustrie hinter internationalen Entwicklungen. So ist die Ausstellung nicht nur eine Schau interessanter Entwürfe, sondern auch eine verpasster Chancen. ...
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Clauss Dietel/Sachsen - Fahrzeugformen ab 1961
Der Volks-Dietel jenseits der Trabant-Kultur
Fahrzeugformen des Chemnitzer Gestalters zeigt seit gestern eine Ausstellung im Industriemuseum Chemnitz
Freie Presse vom 15.11.2004:
... Verstopfte Parkplätze vor dem Haus des Industriemuseums Chemnitz, überfüllte Halle drinnen - es kann nur um eins gehn: Es geht um das Auto. "Clauss Dietel/Sachsen - Fahrzeugformen ab 1961" heißt die Ausstellung. Gestern wurde sie mit Großbetrieb eröffnet, und nun sieht man mal alles, was auf den Straßen des Sozialismus nicht zu sehen war: Ein modernes Fahrzeugbild, das an die Stelle der sprichwörtlichen und vielbewitzelten himmelblau-ewigen Trabant-Kultur hätte treten können.
Und man sieht nicht alles. Der Chemnitzer Gestalter Clauss Dietel, der kürzlich 70 wurde, stieg in den 1980er Jahren in ein Auto ein und aus, das nicht mehr existiert. Ein damals neues Lada-Modell, ein Kombi, ein "Auto bis hinten hin", wie er eins seiner Gestaltprinzipien nannte. Der untere Saum der Karosserie war teerfarben verdunkelt und auffällig beschriftet: lada lapidare. Schicksal der Ironie: Aus dem Gag wurde ein neuer Grundsatz. "Schuhsohlenprinzip" sagt Dietel dazu, lapidar. Dort, wo das Auto den Dreck berühren muss und der Dreck das Auto immerfort am ehesten ereilt, muss der Schutz auch sichtbar sein. Alle Funktion muss sichtbar sein, so denkt, so entwirft, so arbeitet Dietel.
Bis heute. Nicht nur, dass die legendären und in Schubladen versenkten oder außerhalb Sachsens gut genutzten Fahrzeugentwürfe sein Formdenken repräsentieren, hier in der Ausstellung sind auch aus jüngster Zeit Gestaltkonzepte der "Atmenden Fabrik" zu sehen, die Arbeitsstätte, die vor dem Auto kommt oder vor irgendeinem andren Produkt. Dietel hat sich immer um die ganze Umwelt besorgt, das Visuelle des Alltags, das aus künstlerischem Ansehen erwächst. So eben auch hätte das Straßenbild sein können, funktionieren müssen.
Aber hier ist nicht hätte und müssen, hier sind die Fakten. Man hat in der gut und übersichtlich gestalteten Ausstellung den optischen Bezugspunkt zur hundertjährigen Geschichte des Automobilbaus in Sachsen gesetzt. Gegenüber dem gelben Wartburg 353, der weitgehend so produziert wurde, wie ihn Clauss Dietel und sein Partner Lutz Rudolph 1962 entworfen hatten, steht das "Ultramobile" von 1904, und nebenan in den Hallen der ständigen Ausstellung des Industriemuseums sind ohnehin die sächsischen Oldtimer aufgefahren. Dietel hängt voll drin in dieser Tradition, und es ist keine Ironie der Geschichte, dass mit der Rückkehr der modernen Autoproduktion nach Sachsen auch seine Entwürfe de facto wiedergekommen sind - man kann denken, die Frühform des Golfs vor Augen zu haben, wenn man die Modelle des Chemnitzer Gestalters sieht. 40 Jahre alt, ein Volks-Dietel.
Sein Schicksal. Hier zeigt sich ein Künstlerleben, dem die Phantome nachjagten. Die Planwirtschaft hatte für solche Innovationen keinen Plan. Die planlose DDR musste man auch ihren Autos ansehen, und so kam die DDR per Trabi durch die geöffnete Mauer zu ihrem West-Bild geströmt, primär und vor allem dadurch. Der Westen hatte sein Bild im Osten schon vorher, vorwiegend auch in der Sehnsucht nach dem Auto, ebenfalls primär im Volks-Golf. Mit ihm kam Dietel zurück, aber der war hier geblieben, immer in Chemnitz, und man hat dann nach der Wende auch so getan, als sei er schuld am ewiglichen Trabi-DDR-Zustand gewesen. Man tat ihm sehr unrecht. Wie man hier sieht. ...
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Alles, was sich bewegt, ist spannend
Neues Angebot. Kinder können im Chemnitzer Industriemuseum ihren Geburtstag feiern
Sächsische Zeitung vom 14.11.2004:
Wenn Egon Olsen "einen Plan" hatte, wollte er mit seinen Kumpels Benny und Kjeld meist einen Tresor knacken. Im Chemnitzer Industriemuseum ist es genau umgekehrt: Um an einen ganz bestimmten Plan zu gelangen, muss Florian den alten Panzerschrank in einer Ecke der großen Halle aufkriegen. Dabei tut kollektive Hilfe gut, wenn schon nicht durch die Olsen-, dann wenigstens durch eine richtige Rasselbande von Geburtstagsgästen. Mit dem Stück Papier in den Händen geht's dann auf Entdeckungstour durchs Museum, die manche Überraschung bereit hält.
Florian Knischewski aus Chemnitz ist eines der ersten Geburtstagskinder, das seinen Ehrentag zusammen mit Freunden im Museum feiert. Das neue Angebot hat sich ganz ohne Werbung schnell herumgesprochen, wie Pressesprecherin Claudia Wasner erfreut feststellt: "Wir haben schon eine Reihe von Anmeldungen. Die Kinder können eine Stunde lang das Museum von seiner lustigen und geheimnisvollen Seite kennen lernen. Sie erhalten ein kleines Geschenk und sogar einen Brief vom Direktor. Beides müssen sie natürlich suchen und finden!" Für bis zu zwölf Personen kostet das Ganze 55 Euro.
Auch Florians Mutti hatte es von einer Bekannten gehört und war mit dem Vorschlag bei ihrem Filius sofort auf Begeisterung gestoßen. "Ich hab' meine Schulfreunde mitgebracht und meine zwei besten Kumpels, die ich schon lange kenne", erzählt der gerade Zehnjährige. Zu Hause in der Neubauwohnung sei nicht so viel Platz, und das Museum sei schon ein interessantes Haus, weiß das Geburtstagskind von früheren Besuchen.
Alles, was sich bewegt, ist erst einmal spannend, und manches funktioniert sogar von Geisterhand. Oder wie sonst sollten Kinder des 21. Jahrhunderts einen Fernschreiber verstehen? Dass die Hausgeister wirklich existieren, beweisen sie jedenfalls mit einem Brief per Rohrpost. Apropos Brief: Schreiben war früher offenbar auch kein Kinderspiel. Max und Dennis hauen in die Tasten von Erika, Astra und Conti, was das Zeug hält, aber: "Wie kommt man denn hier auf die nächste Zeile?" Die alten Büromaschinen halten wirklich eine Menge aus, erst eine musste nach vielen "Schreibattaken" repariert werden.
Anfälliger sind da schon die Feuerwehrautos: Batterie tot - die Jungs müssen ohne Blaulicht und Tatütata wieder vom Bock steigen. Keine Führung sei wie die andere, erklärt Museumsmitarbeiter Wolf Schulze. Je nach Alter gehe er spezifisch auf die Kinder ein. Leider sei bei Mädchen weniger Interesse für Technik zu spüren. Sie verweilten lieber bei den tollen historischen Strümpfen oder der Plauener Spitze.
Schade nur, dass Florian nicht im Sommer Geburtstag hat: Da gibt's im Industriemuseum nämlich auch aufregende Führerstandsmitfahrten auf der alten Dampfspeicherlok im Hof. ...
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Das schwingende Regal
Preise des 2. internationalen Marianne-Brandt-Wettbewerbs in Chemnitz verliehen
Freie Presse vom 04.10.2004:
Das lebendig schwingende Regal in der Wohnung, das war längst denkbar in letzter Zeit, wenn Arbeiten der Schneeberger
Angewandten Kunst gezeigt wurden. Dieser originelle "Stauraum", entworfen von Hartmut Ringel, er hat inzwischen den
Fachbereich absolviert, fiel auf. Und so musste es wohl kommen: Ringel bekam den Hauptpreis in der Kategorie
Produktgestaltung des 2. internationalen Marianne-Brandt-Wettbewerbs in Chemnitz.
"Poesie des Funktionalen" war gefragt. Mit 260 Arbeiten hatten sich Künstler aus 16 Ländern beteiligt,
gestern Mittag wurden die Preise feierlich im Opernhaus übergeben. Die Poesie des Entwurfs von Hartmut Ringel offenbart sich
in der Lebendigkeit, das Regal ist eine Art Partner im Haus, und was man auf den ersten Blick nicht für möglich halten könnte
- es funktioniert. Fest verbundene Stahldrähte stabilisieren die Beweglichkeit, von allen Seiten lässt es einen ran und
bietet viel Platz, optimale Raumausnutzung. Der Tisch von Mattias Demacker könnte sich dazu gesellen, er bekam einen
Anerkennungspreis dieser Kategorie, schlicht und einfach drei Montageteile, für deren Zusammensetzung man kein Werkzeug
braucht. Einfaches Wohnen, die jungen Designer haben sich gewiss an Bedürfnissen aus ihren Studentenzeiten orientiert. Die
Wohnraumleuchten von Alexandra Weigand sagen ein Übriges dazu. Klein und nützlich, nützlich und klein. Olaf Kiessling suchte
wohl immer einen Stift, um sich was zu notieren, der ist ja nie zur Hand, wenn man ihn braucht. Ein Band zum Einlegen oder
Einheften in den Block, ins Buch befreit von der Suche. Poesie der Erlösung von einem Übel des Alltags. Das Funktionale kann
in der Aus-Wirkung selber poetisch sein.
Marianne Brandt, die meisterliche Produktgestalterin im Bauhaus, ist seit zwanzig Jarhen tot. Ihre
Heimatstadt Chemnitz ehrt ihr Andenken und ihr geistiges Vermächtnis am besten mit diesem Wettbewerb. Ihr Brief an die junge
Generation, den sie im Alter schrieb, hinterlässt die elementare Erkenntnis, dass die "küntlerische Persönlichkeit" den
Ausschlag geben müsse, wenn ein Produkt zweckdienlich in seiner Funktion und materialgerecht schön sein soll. Man mutmaßt
nun gern über ihre Zuneigung, die sie für diesen Wettbewerb junger Gestalter aufbringen würde. Ja, Poesie des Funktionellen
ist in ihrem Sinne, und die besten Arbeiten, sie sind es gewiss auch.
Zudem war sie Fotografin, experimentierfreudig, Licht war ihr Metier. Die Jury hat in diesem 2. Wettbewerb
eher den Umgang mit dem Licht als das fotografische Resultat gewürdigt. Edgar Lissel bekam den Hauptpreis dieser Kategorie,
er kommt ohne Kamera aus. "Bakterien-Vanitas" zeigt Wandlungen, die spezielle Mikrowesen mit Licht bewirken, und das lässt
sich abbilden. Da ist gewiss auch ein Blick in die Zukunft honoriert worden.
Auch das ist Marianne Brandt: Sie hat gern Bekleidung gestaltet, für sich selbst am liebsten, hat
verblüffende Accessoires dazugesellt, hat Stoffe bemalt. Die dritte Kategorie des Wettbewerbs - sie wechselt von Mal zu Mal
den Gegenstand - war der Bekleidung gewidmet. Den Hauptpreis erhielten Gabriele Wiegand und Matthias Berg für ein Verfahren
des digitalen Stoffdrucks, mit dem sie einen farbig blühenden Pullover ausstatteten. Blühend und glühend in der Farbbrillanz.
Weitere Anerkennungspreise gab es und auch die Auswahl von zusätzlich siebzig der eingereichten Arbeiten
für die Ausstellung zum Wettbewerb, die am Nachmittag dann im Industriemuseum eröffnet wurde. Ja, man kann vermuten, dass
Marianne Brandt die Juryergebnisse unterschrieben hätte. ...
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Laichplätze in alten Fabrikhallen
Vorschläge für die Rettung von Ruinen - Ausstellung im Chemnitzer Industriemuseum
Freie Presse vom 13.09.2004:
Zunächst sind es Plakate, Tafeln, was zum Lesen drauf, abgebildete Modelle. Künstler setzen Zeichen der Hoffung. Denn unsere städtischen Räume, in Chemnitz vor allem, tragen die schweren Male der Industriebrachen, die seit zehn und mehr Jahren verfallen. Kann man noch was retten?
Im einstigen Industriegelände an der Zwickauer Straße, das zu den betrüblichsten Wegwerfzonen im Chemnitzer Stadtgebiet zählt, zeigen Mitglieder des Chemnitzer Künstlerbundes Vorschläge, die als Ergebnis eines Workshops erarbeitet wurden. In unmittelbarer Nähe des Industriemuseums geraten ehemalige Produktionstätten wie die Textilfabrik Göritz - im Übrigen ein einzigartiges Denkmal moderner Industriearchitektur aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts - nunmehr auf andere Weise wieder in den Blickpunkt. Sie sind Kulissen für Visionen von Kultur- und Erholungsstätten. So stellt der Schlemaer Christoph Roßner sein Projekt unter den Gedanken des Aggressionsabbaus, dort, wo man einst Arbeit suchte und auch fand, sollen Zonen zum Knutschen, Schwofen, Schwatzen eingerichtet werden. Frank Raßbach aus Chemnitz hat Gebäude und Gelände der ehemaligen Sporettfabrik am Kappelbach zu einem innerstädtischen Camping- und Erlebnisareal umfunktioniert. Der Chemnitzer Rainer Bach geht ganz rigoros auf seinem Weg als Karikaturist bis zur Etablierung eines besonderen Etablissements, des "Chemwitzer Geschäfts- und Wohnbiotops" mit 47 Laichbereichen in 12 Luxustümpeln der Sexfront, alles über dem Zeichen seines Hauses, dem Laubfrosch. Er sieht die Dinge konsequent unter dem unausweichlichen Zwang des Wandels von der Industrie- zur Spaßgesellschaft.
Neben den plakativen Schautafeln an Ort und Stelle ist nebenan in einer Ausstellung im Industriemuseum seit Samstag der Workshop dokumentiert, außer in Chemnitz waren Künstler auch in Leipzig und Dresden am Worken. Eine Jury hat die Vorschläge ausgewählt. Bunte Blätter, wie sie auf dem Boden liegen, Schnipsel eines gigantischen Puzzles, charakterisieren die Unermesslichkeit des Projekts in drei sächsichen Großstädten. Grit Weiß mit der Galerie Anna in Annaberg-Buchholz ist die Aufgabe zugefallen, eine CD-Rom mit Handbuch und Sachregister zu erarbeiten, die alle Arbeiten recherchiert und aufarbeitet. Hier in dieser Ausstellung sind erste Einblicke auf Computern abrufbar.
Denn es geht gar nicht allein um den Workshop vom vergangenen Jahr und es geht auch nicht nur um die Industrieruinen. Der Sächsische Künstlerbund will alles unter dem bilanzierenden Blick des Themas Kunst im öffentlichen Raum von 1990 bis 2002 sehen und verweist auf die Summe von 2200 Projekten, die von 600 Künstlern für Sachsen im Zeitraum 1990 bis 2002 erarbeitet wurden. Ihre Beteiligung an solchen Umwandlungen von ehemaligen Fabrikanlagen wie dem Chemnitzer Industriemuseum, dem Regierungspräsidium oder dem Gastronomiekomplex Brau und Boegen stehen als leuchtende Beispiele auf der Habenseite. Die Pluszeichen solcher Arbeit sollen Erfahungen vermitteln und eine Weiterarbeit fördern. Vor allem aber ist es Mahnung an die Pflicht der Politiker, der Planer und Bauherren, sich an die festgeschriebenen Regeln für Kunst am Bau zu halten.
Im Künstlerbund selbst war das Projekt nicht unumstritten. Denn es geht hier nicht um eine Beteiligung von Kunst am Bau. Man sieht sich von der Bau- und Kulturpolitik im Stich gelassen, vom Markt dominiert und in die Rolle gedrängt, Kastanien aus dem Feuer der Ruinen zu holen. Viele winkten ab. Allein aber Ermutigung ist was wert. An der Zwickauer Straße sind ein paar neue Zeichen vor die alten Fabriktore gesetzt worden, wenigstens das. ...
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Tick-Tack oder Taktik - das Phänomen Zeit
"Die IIII. Dimension" für alle Sinne: In einer Erlebnisausstellung im Industriemuseum Chemhitz kann man sie sehen, hören, fühlen und riechen
Freie Presse vom 17.06.2004:
... Vor der Tür zur kleinen Ausstellungshalle des Industriemuseums Chemnitz steht eine große alte Dampflok. Und obwohl sie längst nicht mehr gefahren ist, riecht sie, wie sie seit Jahrzehnten riechen muss: nach Dampf, Kohlenrauch, Schmieröl. Man riecht die Zeit. Drinnen dann hört man sie, es quakt, schreit, tickt, tackt, es krähet der Hahn, und die Glocke schlägt, der Nachtwächter ruft, die Sirene heult. Zeitzeichen. Jedoch der schrecklichste der Schrecken, der Wecker, er klingelt nicht, gottlob.
Man kann sich dafür in dieser Ausstellung zur "IIII. Dimension" wie die Sonne fühlen und so tun, als laufe man durch die Sternzeichen. Aber da ist man auf dem Holzweg, die Sonne läuft ja gar nicht wirklich, auch die Zeit läuft nicht wirklich: Wir laufen. Und mit uns die Uhren. Wenn man draußen wieder ist, hat man dann endgültig begriffen, dass wir die Schuld selber tragen, alles rennet, laufet, eilet - wohin, wohin? Der Zeit hinterdrein. Wir sind aufgezogen, die Uhren gehen inzwischen automatisch.
Zeit also ist unser Partner, geliebt und gehasst, die schöne Stunde geht im Fluge, die unangenehme dauert ewig. Also: Es kommt uns alles nur so vor, was uns die Zeit vormacht. Und wenn`s nicht so ganz klappt mit unseren Systemen, formt der Mensch den Kalender und die Uhr nach seinen Begriffen, mit Schaltjahren und Schaltsekunden haut alles wieder hin. Bestzeit wird vom Menschen gemacht. Rekorde werden gerechnet.
Nun denn - hier jedenfalls in dieser Ausstellung riecht, hört, sieht man die Zeit. Man kann auch mit ihr spielen, zum Beispiel messen, wie schnell man reagiert, meine Güte, das kann ja tödlich sein, wenn ein Zehntel zu lang dauert oder ein Hundertstel gar. Wer das nötige Geschick mitbringt - und Zeit dazu - kann sich mit seinem Körperrhythmus vertraut machen. Der geht ja mit der Uhr, irgendwie, oder auch mit dem Mond, nicht nur miese Uhren gehen nach dem Mond, wie man sagt, ruhelose Körper sind wohl in ihrem inneren Tick nach dem Vollmond gestellt ...
Lauter solche Sachen gibt es mit dem nötigen Anschauungsmaterial. Die Ausstellung des Industriemuseums ist mit den Technischen Sammlungen Dresden gemeinsam entstanden, und sie ist natürlich keine Konferenz der Gelehrten. Sie lässt sehen und erst dann erörtern, viele Vorträge gibt es, die Sonnenwende am 21. Juni wird dem Maß aller Zeiten gewidmet und auf dem Gelände des Museums will man eine neue Sonnenuhr justieren, falls die Zeit scheint, also die Sonne. Denn als es sonst nichts gab, sah man die Zeit ja nicht, wenn die Sonne nicht schien.
Kino gibt`s, das ist ja in der Lage zu raffen und zu dehnen, wie man hier sehr schön sieht. Kino kann ganze Tage auf einen Moment reduzieren, umgekehrt den Moment gehörig auswalzen, zum Beispiel wie der Frosch seine Fliegen erfliegt in tänzerisch-eleganter Bewegung. Da ist das alte Laufwerk einer erzgebirgischen Schulturm-Uhr, o ja, wie mögen sie jahrzehntelang da drunter gesessen und das Ende der Schulstunde ersehnt haben. Die alten Holz-Figuren des Chemnitzer Glockenspiels von Bruno Ziegler sind zu sehen, und man muss über eine Weltkarte hinweglatschen, die im Nu von einem Tag in den anderern befördert.
Und da sieht man nun auch, wie unbeholfen der Mensch in der Zeit lebt: Ein Schritt reicht über die Datumsgrenze hinweg in den neuen Tag, rückwärts kann man genauso nach gestern schreiten, wenn man weiß, was vorwärts und rückwärts denn ist ... Ja, man hat Zeitzonen eingerichtet, natürlich haben sich die Europäer das Maß gesichert, sie sind vorn bei Sonntags-Null, wenn hinten in schwarzer Nacht bei 180 der Montag anfängt.
Dass man Uhren jeder Art und Verwendungsweise zu sehen kriegt, ist kein Wunder. An Wunder grenzen die "Naturuhren", die Fingerabdrücke der Zeit - Millionen Jahre sind zu sehen in den Versteinerungen, Fossilien, Jahrhunderte in den Jahresringen alter Bäume, Bohrkerne aus dem Erdinneren zeigen, dass die Zeit auch der Boden ist, auf dem wir stehen. Oder herumtrampeln, wenn wir viel davon zu haben scheinen, da nehmen wir`s nicht allzu genau. Dann aber läuft die Zeit gegen uns: Habet acht, ruft nicht nur der Türmer, das ruft uns der Verfall zu, der die Vergänglichkeit anmahnt, Zerfallszeiten nagen an der Mutter Erde wie an uns.
Die Sanduhr in der Hand des Gevatters Tod bleibt immer die Uhr der Uhren. Die mittelalterlichen Meister der Kunst waren auch Meister der Zeitdarstellung, wie man sieht. Als das Nürnberger Ei erfunden war, eine der legendären Uhren, ging Albrecht Dürer zu Fuß durch halb Europa, Seume wanderte von Sachsen nach Syrakus, da fliegen wir heute von Leipzig oder Dresden in zwei, drei Stunden hin. Die Damaligen hatten viel Zeit und hatten keine: Zeit ist relativ, sagt Einstein. Und schon ist es wieder spät geworden. Ach nein, früh ist`s ja. Wieso eigentlich? Die Sonne geht auf. Nanu - was ist da los? Es ist die tückische Taktik des Tick-Tack: Langsam, langsam Leute, ihr habt wenig Zeit! ...
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Besucherrekord in der 5. Museumsnacht
9.000 Menschen trotz miesen Regenwetters unterwegs - Tietz erlebte ersten Ansturm - Liebevolle Vorbereitung an 29 Standorten
Freie Presse vom 17.05.2004:
... Ebenfalls gut im Griff hatte man das Einweisen der Besucher mit Autos auf dem Gelände des Industriemuseums. Ging super ruhig und freundlich zu. Drinnen drängten sich die Menschen um die vielen Exponate, ertasteten sich mit Taschenlampen die Ausstellung "Methamorphosen & LichtGestalten" von Dirk Hanus und wunderten sich über den Mann am Flügel, Holger Miersch, der zwischen altem Dampfross und Ortseingangsschild "Karl-Marx-Stadt" Bar-Atmosphäre schuf. ...
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Viel los zur Museumsnacht - drohendes Finanzloch bei Industriemuseum
Wirbel hinter Zeitzeugen
Blitzpunkt vom 15.05.04:
Das Industriemuseum hat sich zu einem der Leuchttürme in der Chemnitzer Museumslandschaft entwickelt. Mehr als 100.000 Besucher haben seit Eröffnung die Erinnerungen an die einmalige Industriegeschichte des Landes bewundert. Auch der Freistaat selbst war stolz auf den Modellcharakter des Chemnitzer Hauses. Denn es ist als das Leitmuseum im Zweckverband Sächsisches Industriemuseum anerkannt. Und die Museumsnacht am Wochenende wird die Zahl der interessierten Besucher ganz sicher erneut steigen lassen. Doch zu viel Euphorie in der Chemnitzer Museumslandschaft scheint trotzdem nicht angebracht, denn hinter den Kulissen brodelt es schon wieder heftig. So befürchtet die Stadt, dass sich vor dem Industriemuseum bald ein großes Finanzloch auftun könnte, das sich schwer stopfen lässt. Denn der Freistaat ist nur bis Ende 2004 Mitglied im Zweckverband Sächsisches Industriemuseum. Seine Mitgliedschaft endet dann automatisch. Und nur bis zu diesem Zeitpunkt sind die Zuschüsse des Freistaates sicher. Er unterstützt die Museumsarbeit mit der Übernahme von 50 Prozent der Kosten. Eigentlich müsste Dresden nun schnellstens avisieren, wie es weitergehen soll. Doch noch ist kein positives Signal gekommen, dass sich der Freistaat weiter im Zweckverband engagieren und sich an den Kosten beteiligen will.
"Wenn die Gelder nicht fließen, dann können wir im Museum nur so viel Personal behalten, dass das Licht an und aus geschaltet wird", kritisierte Kulturbürgermeisterin Barbara Ludwig bei der Vorstellung des künftigen Chemnitzer Kulturentwicklungsplanes, der kommenden Mittwoch im Stadtrat vorliegen wird. Immerhin fehlten dem Museum dann sage und schreibe 600.000 Euro, die aus keiner kommunalen Kasse ersetzt werden können. Das "Negativszenario" beschreibt die Bürgermeisterin so: "In diesem Falle müsste ein Stellenabbau von 19 (2003) auf sieben Stellen (2004/2004) erfolgen. Dann wäre die Erfüllung der grundlegenden Museumsrfunktionen sowie des Veranstaltungsbetriebes nur noch rudimentär möglich." Bedroht sei auch die Fertigstellung des 2. Bauabschnittes mit Depot- und Werkstattgebäude. Es könne nicht sein, forderte sie, dass sich das Land Sachsen seiner Verantwortung für ein Museum entzöge, das den kommenden Generationen die Rolle der sächsichen Industrie nahe bringe. Chemnitz sei dem Freistaat schon entgegengekommen und habe ein Konzept vorgelegt, das 20 Prozent der Kosten einspare. Aber auch dazu schweige Dresden. Man wolle sich in absehbarer Zeit äußern, habe es aus dem Wissenschafts- und Kunstministerium (SMWK) geheißen.
Museumsdirektor Jörg Feldkamp zeigt die Probleme noch plastischer auf. "Ich weiß nicht, wie es im nächsten Jahr weitergeht, weil sich das Land bis heute nicht positioniert hat", formulierte Feldkamp Anfang März - und daran hat sich bis dato nichts geändert. Wenn nach dem Willen des Ministeriums bis 2008 in den staatlichen Museen 30 Prozent Personal eingespart werden sollen, träfe es das junge Chemnitzer Objekt doppelt hart. Die 24 Stellen, die mit dem Konzept des neuen Hauses verbunden waren, habe das Museum von vornherein nicht ausschöpfen können.
Darüber hinaus gerät mit der Hinhaltetaktik des SMWK das gesamte, schon unter Schmerzen geborene, Konstrukt des Zweckverbandes in Gefahr. Die kleineren Mitgliedskommunen der anderen Museumsstandorte - Crimmitschau, Ehrenfriedersdorf, Knappenrode/Hoyerswerda, Lengefeld - mussten schon in den letzten Jahren teilweise auf Investitionen verzichten, weil sie die Kofinanzierung nicht aufbringen konnten. "Wir fahren gern nach Dresden, wenn wir ahnen, dass der Minister nur eine Minute Zeit hat", sagte Ludwig.
Wie Eingeweihte munkeln, werden sich die SMWK-Entscheidungen zur sächsischen Museumslandschaft bis nach der Landtagswahl - und die ist erst im September - hinziehen. ...
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Metamorphosen & LichtGestalten
Dirk Hanus - Motivjäger mit Spürsinn
Stadtstreicher vom Mai 04:
Seine Motive entstehen im Kopf oder aus der Situation heraus. Dirk Hanus fängt Stimmungen und Augenblicke ein und verleiht ihnen Persönlichkeit. Resultat sind Fotografien, die Wirkung ausstrahlen. Am 1. Mai eröffnet eine Ausstellung im Chemnitzer Industriemuseum.
Dirk Hanus ist Fotograf mit Seele, seine Fotos sind eingefühlt und sinnlich, fordernd oder gewagt, aber nie anzüglich. Der Werbefotograf, der Tag für Tag Auftraggeber zufrieden stellt und das "Glück verkauft", lebt seine Fantasie und Kreativität in der Freizeit aus. Der 1962 geborene Wittenberger, seit dem Studium in Chemnitz lebend, bemühte sich vergeblich um sein Traumstudium Fotografie. Da die vier (!) Plätze in der damaligen Zeit schnell vergeben waren, beschäftigte er sich mit Informationstechnik. Doch das Fotografieren war schon immer Dirks wahre Leidenschaft. Seit frühester Jugend ist er "Motivjägter" und entwickelte erste Fotos in der Dachkammer. Über einstige Motive redet er heute aber nur noch ungern. "Ich habe eben angefangen wie jeder." Inzwischen blickt Dirk auf zahlreiche Ausstellungen, Publikationen und Projekte zurück. Seit der Studienzeit stellte er unter anderem in Chemnitz, Manchester oder Dresden aus und begleitete Film- und Theaterprojekte fotografisch. Heute hängt sein Herz vor allem an den Projekten "LichtGestalten" und "Metarmorphosen", die als sich ergänzende Komplexe Bestandteil der Ausstellung sind. Seit zehn Jahren arbeitet Dirk an den Porträts "LichtGestalten" und entwicklte eine erstaunliche Technik. Menschen, vertraut oder weniger vertraut, stellt der Künstler in die Dunkelheit. Doch nicht gekünstelt in Posen. Er betrachtet die meist nackten Körper, sucht das Besondere, wartet auf bestimmt Bewegungen oder ihr Innehalten und drückt auf den Auslöser. "Mir macht es Spaß zu experimentieren". sagt er und wendet eine außergewöhnliche, individuelle Technik an. Er lässt die Blende der Kamera lange geöffnet und den Lichtkegel einer Taschenlampe über die Körper gleiten, so dass Schwarz-Weiß-Fotos wirkungsvoll entstehen. Harte und weiche Kanten, helle und dunkle Schattierungen und schemenhafte Konturen zeigen Menschen in neuem Licht. Die Körper, entblößt, aber nicht offenherzig und die eingefangenen Augenblicke strahlen Intimität oder Selbstsicherheit gleichermaßen aus. "Die Bilder sind ehrlich und lebensnah", sagt er über seine Werke, deren Wirkung auf den Betrachter nicht geplant ist. Parallel zu den "LichtGestalten" zeigt die Ausstellung den zweiten Themenkomplex "Metamorphosen". Hierfür entdeckt Dirk in alten Fabrikhallen zeitweise Seltsames und hält es, meist farbig, fest. Umgeben von alten Gemäuern, in denen einst Maschinen polterten, inszeniert er gern und machmal fernab der Realität. Vorstellungen werden bewusst angeregt, mit den Gegebenheiten und der Fantasie des Betrachters gespielt. "Planung und Zufall liegen in diesen Bildern dicht beieinander", sagt Dirk Hanus. ...
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Metamorphosen & LichtGestalten
Metamorphosen & LichtGestalten
Wochenspiegel vom 15.05.2004:
... Derzeit gibt`s eine neue Sonderausstellung mit Fotografien von Dirk Hanus im Chemnitzer Industriemuseum. Dirk Hanus, 1962 in Wittenberg geboren, lebt heute in Chemnitz und widmet sich seit 1980 intensiv der Fotografie. Seit dieser Zeit stellte er seine Arbeiten in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz und in verschiedenen anderen deutschen Städten aus. 1996 präsentierte er seine Werke erstmals außerhalb Deutschlands in Manchester. Bei der Ausstellung, die seit Anfang Mai im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz zu sehen ist, handelt es sich genau genommen um zwei Tehmenausstellungen. Teil 1, den Herr Hanus unter den Titel "Metamorphosen" stellte, zeigt Fotos aus der Serie "Beobachtungen in Industriebrachen". Der zweite Ausstellungsteil ist überschrieben mit "LichtGestalten". Hier stehen Porträts im Mittelpunkt, die Dirk Hanus mit einer spetziellen fotografischen Technik schuf. Beide Fotoserien entstanden in den Jahren 2002 und 2003 und werden in dieser Form erstmals im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz gezeigt. Die Sonderausstellung läuft bis 26. Mai 2004.
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Metamorphosen & LichtGestalten
Riesiges "Fotolabyrinth" im Industriemuseum zu sehen
Dirk Hanus stellt 100 Fotografien aus - Fast 1,80 Meter hoch
Freie Presse vom 06.05.2004:
Rund einhundert Fotografien, teilweise bis 1,80 Meter groß, haben die Sonderausstellungshalle des Chemnitzer Industriemuseums ab 1. Mai 2004 in ein riesiges "Fotolabyrinth" verwandelt.
Die Arbeiten, die bis zum 26. Mai zu sehen sind, sind das Ergebnis einer mehrjährigen intensiven Tätigkeit des Fotokünstlers Dirk Hanus. Dirk Hanus, 1962 in Wittenberg geboren, lebt heute in Chemnitz und widmet sich seit 1980 der Fotografie. Seit dieser Zeit stellte er seine Arbeiten in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz und in verschiedenen anderen deutschen Städten aus. 1996 präsentierte er seine Werke erstmals außerhalb Deutschlands auch in Manchester.
Nicht die pure Dokumentation, sondern interessante Kompositionen aus lebenden und leblosen Bildmotiven reizen ihn.
Bei der Ausstellung handelt es sich genau genommen um zwei Ausstellungen, denen eins gemeinsam ist - der Mensch als Motiv. Im Ausstellungsteil "Metamorphosen" bildet der Mensch inmitten verfallener Industrieanlagen eine Kontrast zu den Zeugnissen seines früheren Wirkens.
Im Ausstellungsteil "LichtGestalten" stehen Porträts von Personen im Mittelpunkt. Hier ist es die besondere fotografische Technik, die Dirk Hanus einsetzte und die die Faszination ausmacht.
Parallel zur Ausstellung entstand ein Katalog, der neben Plakaten und Postkarten zur Sonderausstellung auch im Museumsshop erhältlich ist.
Zur Museumnacht am 15. Mai bietet die Ausstellung die Kulisse für eine AKTionsperformance der besonderen Art. Zusammen mit dem Anasages z. B. Theater und den Live-Musikern von TUYA Klangwerk holt Dirk Hanus mit einem kleinen Lichtstrahl Personen aus dem Dunkeln ...
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Das Industriemuseum setzt nicht nur auf alte Schätze
Museum bietet nue Marketingplattform für die sächsische Industrie - Innovation im Kontrast
Blitzpunkt vom 01.05.2004:
Immer wieder erregt das Chemnitzer Industriemuseum an der Zwickauer Straße mit Attraktionen und pfiffigen Ausstellungen neue Aufmerksamkeit. Und immer deutlicher zeigt sich die Tendenz, dass Museum als Marketingplattform für die sächsische Industrie zu nutzen. Das bedeutet, nicht nur historisch gewachsene Errungenschaften, sondern auch modernste technische Entwicklungen finden hier einen würdigen Platz. Für in Sachsen ansässige junge und innovative Firmen bietet sich so eine ungeahnte Chance: Sie können potentiellen Kunden ohne Mühe den geschichtsträchtigen Industriestandort umfassend präsentieren und - was besonders wichtig ist - auf modernste Tendenzen in der Region anschaulich hinweisen.
Dieser Tage wurde der Museumsbestand wieder einmal aufgestockt - um eine moderne Drehmaschinensteuerung der Siemens AG sowie Dieselinjektoren der aktuellen Serienfertigung (Einspritzsystem in Common-Rail-Technik) der Siemens VDO Automotive AG.
Der Sprecher der Siemens-Niederlassung Chemnitz, Wolfgang Kanzler, begrüßt das Bestreben von Museumsdirektor Feldkamp, sich "Nicht nur nach hinten - was war, sondern auch auf das Heute und die Zukunft zu orientieren". Als originell betrachtet er den Umstand, dass sich die neue Siemens-Technik mit einer beinahe 100jährigen Werkzeugmaschine kombinieren lässt - und das ganze sich sogar als funktiontüchtig erweist. Eigentlich ergibt sich daraus fast ein Statussymbol für das Industriemuseum - Innovation im Kontrast. Zumal im gleichen Atemzug der Standortleiter vom Siemens VDO, Rainer Dörrheide, daruaf hinweist, dass die heutige Technik mit damals nicht vergleichbar ist.
Die hiesige Siemens VDO Automotive AG, seit 1997 am Standort in Limbach-Oberfrohna beschäftigt zur Zeit mehr als tausend Mitarbeiter. Seit 2.000 befindet sich das Common-Rail-Eionspritzsystem in Serie und erfreut sich bisher einer jährlichen Produktionssteigerung von 100 Prozent - bedingt durch Großaufträge von Ford, Peugeot ...
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Das Industriemuseum setzt nicht nur auf alte Schätze
Staunen über moderne Motoren
Chemnitzer Blick vom 28.04.2004:
Wer sagt denn, dass in Museen nur historische Stücke ausgestellt ghören? Dr. Jörg Feldkamp, Chef im Sächsischen Industriemuseum setzt auch auf moderne Publikumsmagneten: "Von Anfang an wollten wir die gesamte industrielle Entwicklung zeigen. Klar, in den ersten Wochen setzten wir vermeht auf historische Schätze. Aber inzwischen freuen wir uns auch über ganz aktuelle Ausstellungsstücke." Seit Montag stehen im Museum an der Kappler Drehe zwei Exponate, wie sie moderner kaum sein können. Die Siemens AG schenkte dem Ausstellungshaus eine CNC-Werkzeugmaschinensteuerung. Damit brachten Azubis eine 100 Jahre alte Drehmaschine zum Laufen. Gleich nebenan zeigt die Siemens VDO Automotive AG Diesel-Injektoren aus der aktuellen Fertigung. Das Einspritzsystem in Common-Rail-Technik wird komplett und in Teilausschnitten gezeigt. ...
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Das Industriemuseum setzt nicht nur auf alte Schätze
Neue Stücke für Industriemuseum
Freie Presse vom 27.04.2004:
...Mit modernsten Produkten der westsächsischen Industrie hat das Sächsische Industriemuseum jetzt seine Chemnitzer Ausstellung ergänzt. Rainer Dörrheide, Geschäftsführer von Siemens VDO und Wolfgang Kanzler, Niederlassungsleiter der Siemens AG Chemnitz, übergaben gestern an Museumsdirektor Jörg Feldkamp zum Beispiel einen Diesel-Injektor aus der aktuellen Serienfertigung des Siemenswerkes in Limbach-Oberfrohna. Das Einspritzsystem kommt in den Motoren vieler internationaler Automobilhersteller zum Einsatz. Siemens ging im Jahre 2.000 als erster Automobilzulieferer mit dieser Technik in Serie. In Limbach sind derzeit rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt.
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Über 100.000 Gäste im ersten Jahr
I-Museum: Erfolgreiche Bilanz nach einem Jahr
Chemnitzer Amtsblatt vom 05.05.2004:
...Kürzlich jährte sich die ERöffnung des Sächsischen Industriemuseums Chemnitz am neuen Standort. Das Museum zieht nun eine erste positive Bilanz. Der 100.000ste Besucher wurde bereits nach 11 Monaten begrüßt. Allein am Eröffnungswochenende 2003 eroberten 20.000 Neugierige das Haus und zur Museumsnacht am 17. Mai 2003 kamen 5.000 Menschen. Dass es den Besuchern nicht um Unterhaltung allein geht, zeigen rund 1.000 Führungen und 470 jugendliche Teilnehmer an Projekttagen im ersten Jahr.
Als Besuchermagneten erwiesen sich die mit Frischdampf betriebene Dampfmaschine und die Dampfspeicherlok. Im Juli 2003 ergab eine repräsentative Besucherbefragung der Technischen Universität eine hohe Zufriedenheit. Das Museum wird altersübergreifend und quer durch die sozialen Schichten angenommen. Die Ausstellung erfreut sich weit über Ingenieure und Bildungsbürger hinaus auch bei technischen Laien und Familien mit Kindern großer Beliebtheit. Rund 70 Prozent der Besucher im ersten Jahr kamen aus Sachsen, Schwerpunkt Chemnitz und Umgebung.
Mit zunehmender Bekanntheit erhofft sich das Haus nun auch einen höheren Anteil an Touristen.
Damit sich das Museum zu einem Treffpunkt und Lernort für Kinder und Jugendliche etabliert, wurden neben Ferienprogrammen und Projekttagen auch Sonderaktionen durchgeführt. Im Oktober 2003 wurde mit dem Bau eines neuen Depot- und Werkstattgebäudes mit über 4.000 Quadratmetern auf dem Grundstück neben dem Museum begonnen. Die Fertigstellung ist für Ende 2004 geplant. Ende 2004 wird auch die Dauerausstellung durch einen weiteren Ausstellungsbereich "Vom Faden bis zur Kleidung" ergänzt. Dort erfahren die Besucher auf etwa 4000 Quadratmetern, wie aus Fäden eine textile Fläche entsteht, und bekommen einen Überblick über die Geschichte der Textiltechnik. ...
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Über 100.000 Gäste im ersten Jahr
Sächsisches Industriemuseum feierte gestern Geburtstag - Depot- und Werkstattgebäude wird Ende 2004 fertig
Freie Presse vom 13.04.2004:
... Mit einem neuerlichen Besucherandrang konnte das Sächsische Industriemuseum an der Kappler Drehe am gestrigen Ostermontag sein einjähriges Bestehen feiern. Innerhalb eines Jahres wurden bereits mehr als 100.000 Besucher gezählt. "Dass es den Besuchern aber nicht allein um Unterhaltung und Entspannung, sondern auch um Wissenserweiterung geht, zeigen die rund 1.000 Führungen und die 450 jugendlichen Teilnehmer an Projekttagen", freut sich Museumssprecherin Claudia Wasner. Besonders erfolgreich waren dabei das Forum für Kreativität und Technik sowie Sonderaktionen wie der Harry-Potter-Tag am 30. November.
Im Juli 2003 ergab eine repräsentative Besucherbefragung der Technischen Universität Chemnitz eine hohe Zufriedenheit. Das Museum wird demnach schon im ersten Jahr altersübergreifend und quer durch die sozialen Schichten angenommen, ein "Museum des kleinen Mannes" sozusagen. Die Ausstellung erfreut sich weit über Ingenieure und Bildungsbürger hinaus auch bei technischen Laien und Familien mit Kindern großer Beliebtheit. Rund 70 Prozent der Besucher im ersten Jahr kamen aus Sachsen, Schwerpunkt Chemnitz und Umgebung. Mit zunehmender Bekanntheit erhofft sich das Haus einen höheren Anteil an Touristen von jenseits der Landesgrenzen.
Zunehmend wird das Museum auch von der heimischen Industrie als besonderer Rahmen für Veranstaltungen, Tagungen oder Produktpräsentationen entdeckt. Das 150-jährige Firmenjubiläum der Union Werkzeugmaschinen GmbH, das 10-jährige Bestehen des Textilunternehmens "bruno banani" oder die Präsentation des neuen Golf 5 durch VW Sachsen, sind einige Beispiele dafür. Zudem fanden drei Museumsfachtagungen mit internationaler Beteiligung statt, darunter die Jahrestagung des Verbandes deutscher Restauratoren.
Im Oktober 2003 wurde mit dem Bau eines neuen Depot- und Werkstattgebäudes neben dem Museum begonnen. Die Fertigstellung ist für Ende 2004 geplant. Zum, Jahresende wird zudem die Dauerausstellung duch einen weiteren Bereich "Vom Faden bis zur Kleidung" ergänzt. Dort erfahren die Besucher auf ca. 400 Quadratmetern, wie aus Fäden eine textile Fläche entsteht und bekommen einen Überblick über die Geschichte der Textiltechnik. ...
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Vom geplagten bis zum geplatzten Planeten
Beispielgebende Initiative zum Thema: Umwelt, Hausmüll und Kunst - Fisch als Symbol für Leben
Blitzpunkt vom 21.02.2004:
... In der Regel sind für Wohneigentümer, Mieter oder Firmen Lebensqualität, Kunst und Kultur am Wohnort sowie Arbeitsplatz Grundanliegen. Dabei spielen Image und inneres Bedürfnis eine wichtige Rolle. Doch Kunst ist bekanntlich teuer und nicht immer wirkungsvoll. Oftmals fehlt einer, der die notwendigen Gedanken entwickelt und sich mit dem Thema so identifiziert, dass es aussagekräftig umgesetzt werden kann. Die im erzgebirgischen Tannenberg ansässige Katrin Dorschner (Telefon 0172-9001350) hat an einem prägnanten Beispiel bewiesen, dass sie dazu in der Lage ist.
Katrin Dorschner, 29 Jahre alt und arbeitssuchend setzt derzeit mit ihrer Kreation "Fisch" in der Sonderausstellung "Müll und Kunst" (bis 3. März) im Chemnitzer Industriemsueum ein Zeichen. Ihr "Fisch" soll der symbolische Appell an Menschen und Umweltproblematik sein. Er ist eine Symbiose aus Müll und Kunst und mahnt fast spürbar: Werft den Müll nicht achtlos in die Gewässer!
Leben, um zu überleben - das gilt im konkreten Fall nicht nur für die Reinhaltung von Natur und Gewässern, sondern auch für Katrin Dorschner selbst. Künstlerische Ambitionen (Ideen entwickeln, zeichnen, gestalten ...), eine Ausbildung zur Bürokauffrau und dann über Jahre hinweg ein Wechsel zwischen Arbeitslosigkeit, ABM und zeitlich begrenzten Einstellungen prägten bisher das Leben der jungen Frau. Voller Hoffnung auf ein Preisgeld folgte sie im Herbst 2003 dem blitzpunkt-Aufruf zum Wettbewerb "Kunst und Müll" (initiiert von der Chemnitzer Entsorgungsdienst GmbH CED und dem Verein Kunst für Chemnitz). Sie fertigte den besagten "Fisch" (eines von insgesamt 230 eingereichten Exponaten). Dieser ist das dominanteste und augenscheinlichste Objekt, das aus dem Wettbewerb hervorging und besteht zum Großteil aus Sperrmüll vom Schrottplatz. Die mehreren hundert als Schuppen verwendeten CDs sind Datenmüll von Großanbietern.
Müll, Kunst und Umwelt
"Der Fisch als solcher war für mich zunächst eine Idee. Diese umzusetzen, dazu brauchte ich zunächst einen Schrottplatz. Unter Aufsicht sammelte ich dort jede Menge Material - eine lange abgewinkelte Eisenstange, diverse Kleinteile, alte Kühlschrankgitter, Rohre, Flaschenverschlüssse, die schwere Platte eines alten Mähdresschers und anderes. Der bedeutsamste Fund war vielleicht das verrottete Schild "Trinkwasserschutzgebiet". Das hat meine Grundidee so richtig unterstützt - als Leitgedanke", erinnert sich Katrin Dorschner. "Mein Atelier, eine alte Scheune, ist der größte Luxus, den ich momentan zu erhalten versuche. Da ich zur Zeit auf Arbeitslosenhilfe angewiesen bin, nage ich dafür machmal sprichwörtlich am Hungertuch. Ende Oktober 2003, Abgabetermin für den Fisch, arbeitete ich Tage und Nächte mit blutigen Händen (das Nähen mit Draht war schmerzhaft) und schwankte zwischen Weitermachen und Aufgeben. Es war sehr kalt. Um Heizkosten zu sparen, musste ich mehrere Kleidungsstücke übereinander ziehen. Erschwerend kam hinzu, dass ich für die Schweißarbeiten fachkundige Hilfe brauchte. Doch schließlich war der riesige Fisch fertig und ich investierte mein letztes Geld in ein Fahrzeug, das ihn zum Gelände der CED transportierte."
Im Begleitschreiben zum Fisch von Katrin Dorschner heißt es: "Der Fisch steht als Symbol für das Leben. Ohne Trinkwasser können Menschen nicht existieren. In zirka 115 Arbeitsstunden konnte ich die Idee zum Entwurf des Fisches umsetzen. Der Gedanke war die Darstellung vom Leben zum Verfall. Man sieht auf der einen Seite den Fisch in der ursprünglichen Form und auf der anderen Seite das Umweltproblem. Das Innere des Fisches besteht aus Müll mit grünem Punkt. Ich habe während meiner Suche nach dem passenden Müll erfahren, dass die Hälfte der Recyclingabfälle wieder der Industrie zugeführt werden und somit den Abbau von wertvollem Erdöl verringern. Das hat mich sehr beeindruckt." ...
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Vom geplagten bis zum geplatzten Planeten
4.300 Gäste bei Müll & Kunst
Preisträger leiten Führungen
Freie Presse vom 20./21.02.2004:
... Eine bisher "sehr gute Resonanz" zur aktuellen Sonderausstellung "Müll & Kunst" verzeichnet das Industriemuseum. Seit Beginn der Ausstellung am 8. Februar haben bis gestern etwa 4.300 Menschen die Sonderausstellung besucht, wie das Museum mitteilte.
An diesem und am nächsten Sonntag führen jeweils um 14 Uhr Preisträger durch "Müll & Kunst". Sylvia-Manorita Wiedemann gewann für ihr Kunstwerk "Dauernde Liebe" den ersten Preis. Am 22. Februar gibt sie persönlich Auskunft über die Exponate.
Die Besucher konnten aus den 100 ausgestellten Werken ihren Favoriten wählen. Prämiert wird der Gewinner am 29. Februar gegen 15 Uhr mit musikalischer Begleitung der "Querschläger". Davor führt die Trägerin des zweiten Preises, Katrin Dorschner, durch die Ausstellung. "Müll & Kunst" ist noch bis zum 3. März zu sehen.
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Vom geplagten bis zum geplatzten Planeten
Industriemuseum Chemnitz zeigt die Sonderschau "Müll & Kunst" - Die 100 ausgestellten Arbeiten wurden aus 230 eingesandten ausgewählt
Freie Presse vom 10.02.2004:
... Die Werbung ist raus, jetzt hat der Müll Einzug gehalten. Vieles von dem, was zuvor die schönen bunten Warenwelten anpries, ist quasi zurückgekehrt mit der neuen Sonderausstellung im Chemnitzer Industriemuseum. Allerdings nicht einfach als Papierprospekt oder Blechbüchse, sondern fantasievoll und mit viel Geschick verarbeitet. "Müll & Kunst" heißt dann auch die am Sonntag eröffnete Ausstellung, auf der die Arbeiten zu sehen sind, die nach einer gemeinsamen Aktion mit dem Verein Kunst für Chemnitz sowie dem CED Enstsorgungsdienst Chemnitz als Hauptsponsor zustande kam.
230 Exponate standen der Fachjury zur Auswahl, die dann 100 für die Schau auswählten. Dabei ging die Kunde von der Aktion weit über die Grenzen der Stadt und des Bezirkes hinaus, denn selbst aus Berlin oder Leipzig wurden Arbeiten zugesandt. Die Palette ist so breit wie das Müllaufkommen. Vom Ölgemälde über Fotos und Installationen bis zu Plastiken oder Collagen wurde das Thema gestaltet.
Spätestens wenn man einen Gegenstand wegwirft, wird er zum Müll. Das kann ein altes Sofa ebenso sein wie der Kronkorken, die Plasteflasche und -tüte oder die Getränkebüchse. Dem Müll sind keine Grenzen gesetzt. Er steckt als E-Mail im Computer, als Werbeprospekt im Briefkasten. Er umhüllt Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände. Ihn herzustellen, davon leben viele Menschen, ihn zu entsorgen ebenso. Ihn zur Kunst zu machen ist nicht der gebräuchliche Weg, aber einer, der denselben ins Industriemuseum lohnt.
Es sei dahingestellt, ob die Ausstellung dazu animiert, in Zukunft ein paar Tonnen Müll weniger zu produzieren. Der normale Bürger stellt sowieso keinen her. Er muss sich nur damit herumschlagen. Wenn er das fortan etwas bewusster tut und ihn sachgemäß entsorgt, beispielsweise die richtige Flasche in den richtigen Container schmeißt, das wäre doch schon ein Anfang. Mag sich auch der 64-jährige Peter Kühn (Chemnitz) gedacht haben, als er seinen Mann mit einer blauen Flasche in der Hand malte, der damit etwas ratlos vor den bewussten weißen, grünen und braunen Tonnen steht. Oder Ulrike Schaller, die ihre Tetrapacks nicht wegwarf sondern sammelte, um einen Stuhl daraus zu bauen.
Alte Auto- und Fahrradteile, Schallplatten, Tetrapacks oder Büchsen ... Alles wird weggeworfen, alles kann man aber auch zum Kunstwerk werden lassen. Die Jury, die die Preise vergeben musste, war nicht zu beneiden. So wurde der 1. Preis auch zweimal verliehen. An den Chemnitzer Jens Lauer für seinen "Epochalen Rezyklier", der alte Polydor-Platten durch ein raffiniertes System presst, so dass brandneue CD-Rom herauskommen, die gar das Konterfei von Dieter Bohlen tragen. Vielleicht auch bald ein Fall für den Müll. Auch Manotita Wiedemann aus Frauenstein erhielt für "Dauernde Liebe" einen 1. Preis. Das Publikum ist übrigens ebenfalls aufgerufen, seinen Liebling zu küren. Das wird dann am Ende der Ausstellung geschehen.
Bis dahin gibt es sicherlich manches Lächeln und viel Nachdenken darüber, was wir unserer Erde so alles antun, die bei Irina Schatz aus Hartmannsdorf vom geplagten gar zum geplatzten Planeten wird. Denn während es oben noch grünt und blüht, quillt unten der Wohlstandsmüll heraus. Über so viel Unvernunft machen sich in der Ausstellung schon Zehnjährige aus der Diesterweg-Grundschule Hohenstein-Ernstthal Gedanken. Ben Breuer wurde für seine aus Wegwerfartikeln bestehende Gaststube in einem Karton und Antonia Hösel für ihren von der Decke herabschwebenden Vogel mit 3. Preisen belohnt. Vom 10- bis zum 64-Jährigen setzten sich umweltbewusst Lebende mit dem Thema Müll auseinander. Vielleicht ein kleines Mosaiksteinchen, um das Ende der Welt noch ein bisschen hinaus zu schieben. ...
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