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Industrie-Ästhetik

Das atemberaubende Wachstum in Pittsburgh hat nicht nur Arbeitskräfte aus Europa und Südamerika in die südwest-pennsylvanische Industriestadt
gezogen, auch Künstler von nah und fern wurden angelockt. Denn die Feuer der Öfen und der Stahlwerke bescherten eine 'industrial aesthetic'.
Joseph Pennell (1860 - 1926), Aaron Harry Gorson (1872 - 1933) und Otto Kuhler (1894 - 1976) wurde die Industriestadt zur künstlerischen
Offenbarung. Für Pennell galt 'die Welt der Arbeit als das Größte' und Pittsburgh war ihm 'the Work city of the World'. Gorson faszinierten vor
allem das nächtliche Licht der Ofenabstiche und die Positionslampen auf dem dicht beschifften Monongahela River. Der aus Remscheid stammende
Kuhler wollte an der Kunstakademie Düsseldorf keine Äpfel und Birnen malen und lobte Pittsburgh als den 'malerischsten Ort der Welt'. Und anders
als Gorson malte er die Fabriken nicht nur bei Nacht. Mit seinem 'Steel Valley, Pittsburgh', das er 1925 auf die Leinwand bannte, sei ihm eine
ikonische Repräsentation des Stahlerbes dieser Stadt gelungen, schreibt die Kuratorin der amerikanischen Ausstellung, Barbara L. Jones.

Anders der Ton in Arbeiten der sozial und politisch engagierten Künstlerinnen und Künstler, die sozusagen näher herangehen und genauer hinsehen.
Thomas Hart Benton (1889 - 1975) offenbart in seiner Lithographie 'Strike' von 1933 seine Sympathie für die Grubenarbeiter, deren Streik mit
Waffengewalt niedergeschlagen wurde.
Elizabeth Olds (1896 - 1991) befasst sich in ihrer Zeichnung 'Steel Town' von 1937 mit dem mühseligen Leben in Arbeitersiedlungen: Die frisch
gewaschene Wäsche verschmutzt bereits beim Trocknen wieder. Die unterschiedliche Hautfarbe der Arbeiter spielt dabei auch auf die nicht immer
einfachen Lebensverhältnisse von Immigranten an.
[Thomas Hart Benton: Strike, 1933]
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